Am 9. Dezember 2025 trafen sich zahlreiche Gäste aus Wissenschaft und Gesellschaft an der Hochschule Anhalt am Campus Bernburg, um gemeinsam die herausragenden Leistungen des Jahres zu feiern. Der „Tag der Forschung“ fand bereits zum sechsten Mal statt und rückte die Menschen in den Mittelpunkt, die mit ihren Ideen, ihrer Ausdauer und ihrer Leidenschaft die Hochschule prägen. Im Fokus der Veranstaltung standen drei Auszeichnungen, mit denen die Hochschule herausragende wissenschaftliche Leistungen würdigte: der mit 10.000 Euro dotierte Forschungspreis, der Dissertationspreis und der Preis für das Lebenswerk.
Hochschulpräsident Prof. Jörg Bagdahn blickte in seiner Begrüßung auf die starke Entwicklung der Hochschule in den letzten Jahren zurück: „Es war erneut beeindruckend die Vielfältigkeit der Forschung an der Hochschule Anhalt in den unterschiedlichen Schwerpunkten zu sehen. Der Erfolg der Forschung kommt auch dadurch zum Ausdruck, dass sich das Volumen der eingeworbenen Forschungsmittel in den letzten 10 Jahre mehr als verfünffacht hat. Als Zukunftsinvestition werden vom Bund und dem Land Sachsen-Anhalt in den kommenden Jahren mehr als 66 Millionen Euro in zwei reine Forschungszentren, das InFonaL und das Mitteldeutsche Algenzentrum, investiert. Die Bauarbeiten für das Forschungszentrum für die Lebensmittelproduktion haben im August 2025 begonnen. Für das Algenzentrum wurde im Oktober per Kabinettsbeschluss die Finanzierung über das Sondervermögen Infrastruktur und Klimaneutralität gesichert. Wie bei vielen unserer Forschungsprojekte, sollen auch die Forschungsaktivitäten in den neuen Forschungszentren in enger Zusammenarbeit mit regionalen, nationalen und internationalen Unternehmen stattfinden. Dieses gemeinsame Engagement ist ein wesentlicher Motor für Innovation und nachhaltige Entwicklung.“
Prof. Dr. Markus Holz, Vizepräsident für Forschung, Transfer und Nachhaltigkeit, hob die bedeutenden Fortschritte der Hochschule anhand der Drittmitteleinnahmen und Bewilligungen für die nächsten Jahre hervor. „Die enorme Steigerung zeigt eindrucksvoll, wie bedeutend Hochschulen für Angewandte Wissenschaften als verlässlicher Partner für Wirtschaft und Gesellschaft sind. Ermöglicht wurde dies u. a. durch die Berufung von forschungsaktiven Professorinnen und Professoren sowie durch die in den letzten Jahren durchgeführte Professionalisierung unserer Forschungsorganisation bei Antragsstellung und Verwaltung“, erklärt Professor Holz. „Zum anderen leisten die seit 2021 eingerichteten fünf Promotionszentren an den vier HAWs in Sachsen-Anhalt einen wichtigen wissenschaftlichen Beitrag zu unseren Forschungsthemen. Mit derzeit 78 hochschuleigenen Promovierenden – von insgesamt 186 Promovierenden aller vier Hochschulen – tragen sie maßgeblich zur Forschungskraft der HAWs bei.
Forschungspreis für Prof. Dr. Matthias Pietsch
Im Anschluss daran verlieh Prof. Dr. Markus Holz, Vizepräsident für Forschung, Transfer und Nachhaltigkeit, den Forschungspreis an Prof. Dr. Matthias Pietsch und sagte: „Seit vielen Jahren gehört er zu den forschungsstärksten Wissenschaftlern der Hochschule. Mit über zwei Millionen Euro eingeworbenen Drittmitteln und einem stark praxisorientierten Forschungsprofil prägt er die Weiterentwicklung digitaler Methoden in der Umwelt- und Landschaftsanalyse.“
Seit seiner Berufung im Jahr 2016 arbeitet er an der Entwicklung moderner GIS- und Fernerkundungsmethoden, die Natur- und Landschaftsräume sichtbarer machen und Planungsprozesse verbessern. Er wertet Daten aus Drohnen, Flugzeugen und Satelliten aus, entwickelt Verfahren zur Förderung der Biodiversität und schafft digitale Werkzeuge, die Regionen dabei unterstützen, Daten gezielt für nachhaltige Entwicklungen zu nutzen. Dazu gehören auch innovative Geo-Webanwendungen und digitale Standards wie XPlanung, ein bundesweit genutztes Format für digitale Bau- und Fachpläne, das in Verwaltung und Planung zunehmend an Bedeutung gewinnt. Professor Pietsch ist Gründungsmitglied im Promotionszentrum „Life Sciences“ der Hochschule Anhalt. Im Rahmen einer kooperativen Promotion betreut er aktuell einen Promovierenden.
Sein Engagement geht weit über die Hochschule hinaus: Er arbeitet in bundesweiten Fachgremien wie dem Arbeitskreis Modellierung XPlanung und dem Arbeitskreis Landschaftsplanung des Bundesverbands Beruflicher Naturschutz aktiv und wirkt im Scientific Committee der internationalen Konferenz „Digital Landscape Architecture (DLA)“ mit. Mit zahlreichen Publikationen und regelmäßigen Vorträgen auf nationalen und internationalen Tagungen bringt er sein Fachgebiet kontinuierlich voran.
Dissertationspreis für Robert Heidrich
Im weiteren Verlauf zeichnete die Hochschule Dr. Robert Heidrich mit dem Dissertationspreis aus. Er untersuchte in seiner Doktorarbeit, wie sich Solarmodule im Laufe vieler Betriebsjahre verändern und warum sie mit der Zeit an Leistung verlieren – eine zentrale Frage für die Energiewende, denn Photovoltaik wächst weltweit rasant und muss langfristig zuverlässig Strom liefern.
Heidrich analysierte, wie Solarmodule über Jahrzehnte Umwelteinflüssen standhalten und welche Prozesse zu ihrer Alterung beitragen. Er betrachtete sowohl grundlegende Veränderungen im Verkapselungsmaterial – etwa die Diffusion und den Abbau von Polymeradditiven – als auch deren Auswirkungen auf die messbare Leistungsfähigkeit der Module. Durch die Kombination verschiedener Messverfahren aus Physik, Chemie und Materialwissenschaft gelang es ihm, wichtige Wechselwirkungen zu identifizieren und daraus Modelle abzuleiten, die eine genauere Vorhersage der Lebensdauer von Solarmodulen ermöglichen. Seine Forschung liefert damit wertvolle Erkenntnisse für die Weiterentwicklung der Photovoltaik und für eine stabile, nachhaltige Energieversorgung.
Lebenswerkpreis für Prof. Dr. Dieter Orzessek
Ein weiterer Höhepunkt der Veranstaltung war die Auszeichnung von Prof. Dr. Dieter Orzessek mit dem Forschungspreis für sein Lebenswerk. Dieter Orzessek studierte und promovierte an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg und habilitierte sich anschließend an der Hochschule für Landwirtschaft und Nahrungsgüterwirtschaft „Thomas Müntzer“ in Bernburg, wo er 1987 Professor wurde und von 1990 bis 1993 als Rektor amtierte. Mit der Gründung der Hochschule Anhalt wechselte Dieter Orzessek 1993 in die Lehre, übernahm von 1994 bis 1996 das Amt des Dekans und wurde noch im selben Jahr zum Rektor und später zum Präsidenten der Hochschule gewählt. Über zwanzig Jahre gestaltete er deren Entwicklung aktiv und mit klarer Haltung.
Neben seiner Tätigkeit als Rektor und Präsident der Hochschule Anhalt hat er die eigene Forschung nie aus den Augen verloren. So hat er in seiner Amtszeit u. a. die Grundsteine und Rahmenbedingungen für das Center of Life Science der Hochschule Anhalt sowie den Aufbau der Algenforschung und der drohnen- und gyrokopterbasierten Fernerkundung von landwirtschaftlichen Nutzflächen gelegt. Dabei war es ihm immer ein Anliegen, die unterschiedlichen Forschungsschwerpunkte der Hochschule zu berücksichtigen. Auch nach seiner Versetzung in den Ruhestand ist er weiterhin in Forschungsprojekte involviert, beispielsweise in die Bereiche Biokohle, Feldversuche und Agri-Photovoltaik. Die Arbeiten im Bereich Agri-PV sind ein Beispiel für transdisziplinäre Forschung an der Hochschule: Hier arbeiten Forschende aus den Bereichen Elektrotechnik, Landwirtschaft und Biodiversität zusammen. Das Vorhaben wurde in diesem Jahr für den Hugo-Junkers in der Kategorie „Innovativste Vorhaben und Projekte zur Anpassung an den Klimawandel“ nominiert.
Prof. Orzessek ist als Gründungsmitglied des Promotionszentrums „Lifes Sciences“ aktiv und gibt hier sein fachliches Wissen an Nachwuchswissenschaftler weiter.
Forschung als gemeinsamer Auftrag
Zum Abschluss des Abends richtete Prof. Dr. Markus Holz, Vizepräsident für Forschung, Transfer und Nachhaltigkeit, den Blick nach vorn: „Unsere Hochschule wird auch in den kommenden Jahren einen Fokus auf die Forschungsthemen mit besonderer wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Relevanz legen. Dabei wird die Intensivierung der Zusammenarbeit mit der Wirtschaft und der Transfer von Forschungsergebnissen in den Wirtschaftskreislauf durch Ausgründungen und Start-ups eine wichtige Rolle genauso spielen, wie die Anpassung an Zukunftsthemen durch neue Forschungsfelder, z. B. im Rahmen der High-Tech Agenda der Bundesregierung. Für uns gilt: ‚Wir sind neugierig auf das Neue!‘“