denkmal
Die denkmal ist die Europäische Leitmesse für Denkmalpflege, Restaurierung und Altbausanierung. Alle zwei Jahre trifft sich die nationale und internationale Fachwelt in Leipzig.
In gewohnter Weise präsentiert sich die Hochschule Anhalt im denkmal-Forum 2026 vom 5.-7. November 2026 in Halle 2 mit aktuellen Projekten aus der Denkmalpflege:
© HS Anhalt/AFG/Prof. Dr. Claus Diessenbacher
Umnutzung eines Sakralgebäudes
Hintergrund
Thurau, zu 06386 Zabitz gehörend, ist ein Ortsteil der Gemeinde Osternienburger Land im Landkreis Anhalt-Bitterfeld in Sachsen-Anhalt.
Die neogotische Kirche, in der Mitte des kleinen ca. 80 Einwohner zählenden Dorfes liegend, ist von einer Ziegelsteinmauer
neueren Datums umschlossen. Der ca. 3000m² umfassende Friedhof ist aufgelassen. Ein zweiflügeliges Tor und eine Fußpforte führen nördlich auf den Turmeingang.
Der ehemalige Friedhof wird einmal jährlich gemäht. Wildwuchs zeichnet ihn aus. Alte Grabanlagen sind rudimentär erhalten. Einige barocke Grabsteine und eine Fiale sind an
der westlichen Grundstücksgrenze zuzüglich zweier Erbbegräbnisstätten aufgereiht.
Die zwischen 1885 und 1889 errichtete Kirche im neogotischen Stil wurde über einem Vorgängerbau errichtet, wobei eine neue Ostung erfolgte. Die historischen Pläne
befinden sich im Landeshauptarchiv Sachsen-Anhalt in Dessau und stehen unter der Registrierung LHASA, DE, Z259, Nr.170 zur Verfügung.
Projekt
Die Kirchengemeinde mit ihrem Pfarrer Martin Olejnicki, die Bürgermeisterin Iris Schumacher und der Landtagsabgeordnete Dietmar Krause signalisierten Interesse, die
in der Dorfmitte von Thurau gelegene und in den 1980er Jahren, nach nicht einmal 100 Jahren ihres Neubaus, aufgelassene neogotische Kirche Instand zu setzen und mit
neuem Leben zu füllen.
Da der momentane Bauzustand aus sicherheitstechnischen Gründen eine Besichtigung nicht zuließ, wurde er fotodokumentiert und in Vorlesungen bauhistorisch und
konstruktiv in Kontext gesetzt. Des Weiteren wurden Beispiele erfolgreicher Nutzungsänderungen von Sakralbauten europaweit vorgestellt. Dabei stellten sich sehr
differenzierte Vorgehensweisen heraus. Von historischen Konservierungen, Implementierung neuer Baukörper und Baustoffe, Teilanbauten- und abrissen reichte die Palette
der Möglichkeiten.
Um eine große Vielfalt an Ideen zuzulassen, wurden auf denkmalrelevante Aspekte erst einmal verzichtet. Über den Denkmalwert und die –würdigkeit wurde in den Seminaren
vielschichtig diskutiert. Die vorliegenden Arbeiten sind Ideen, die aus der regionalen Analyse des Ortes mit seinen infrastrukturellen Anbindungen, Gegebenheiten
und Bedürfnissen herauskristallisiert wurden.
Kontakt
Frau Annemarie Reimann
Historischer Hintergrund
Sachsen-Anhalt ist ein überreiches Bundesland an Denkmalen. Dieser Bestand erfordert von Politik und Eigentümern ein hohes Engagement bei der Er- und Unterhaltung.
Durch die nach dem 2. Weltkrieg auf dem russischen Sektor vollstreckten Enteignungen an Immobilien und Boden kam es, besonders im ländlichen Raum, zu einer Trennung von Wirtschaftsflächen und Gebäuden. Das Produktionsmittel Acker wurde an Neubauern und Umsiedler vergeben bzw. in Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaften (LPG) überführt. Der ursprünglich damit erwirtschaftete Gewinn wurde somit nicht mehr, oder nur zu einem geringfügigen Teil, in die Domänen, Schlösser sowie Guts- und Herrenhäuser und Wirtschaftsgebäude investiert. Das führte zu einem langen Verfallsprozess der Objekte. Nach 1990 wurde, auf die Vielzahl der Gebäude betrachtet, ein geringfügiger Teil zurückübertragen bzw. von Nachfahren zurückgekauft. Die sich im „volkseigenen“ Besitz befindlichen „Restanlagen“ und wertvollen Acker- und Waldflächen wurden von der Treuhand bzw. später der Landgesellschaft Sachsen-Anhalt MBH separat vermarktet. Dabei ging die Chance verloren, Gebäude und Wirtschaftsflächen wieder sinnvoll zusammenzuführen, um mit den Erlösen aus den Erträgen der Böden die baulichen Substanzen instand zu setzen. Infolgedessen waren neue Nutzungskonzepte für die Guts- und Schlossanlagen gefragt. Einige wurden umgesetzt, ein erheblicher Teil schaffte den Bauunterhalt nicht, blieb ungenutzt, verfiel. Diese Objekte stellen aber regionale, identifikationsstiftende, kulturelle, unter Denkmalschutz stehende Güter dar, deren Zerfall eine demotivierende Ausstrahlung auf die Dörfer und Gemeinden ausüben und um deren Wiederbelebung es exemplarisch geht.
Im Masterstudiengang Denkmalpflege wurden unterschiedliche Objekte betrachtet. Die Schlösser Leitzkau, Hundisburg, Coswig, Hemsendorf, Lichtenburg, Zerbst, Erxleben und Dornburg, sowie mehrere Gutshäuser im Zerbster Land wurden besichtigt und analysiert. Der Erhaltungs- und Nutzungsgrad war sehr vielfältig, zeigte jedoch auf, dass keine Einrichtung ohne finanzielle Bezuschussung aus öffentlicher Hand betrieben und unterhalten werden kann.
Kontakt:
Hintergrund
Den wenigsten Menschen ist bewusst, dass über 50 Prozent der Denkmale im ländlichen Bereich liegen. Dazu gehören nicht nur Kirchen und Gutshöfe, sondern vor allen Dingen Profanbauten im bäuerlichen Alltag aus der Geschichte heraus. Diese Gebäude entsprechen zumeist nicht mehr den zeitgemäßen Wohn- und Produktionsbedingungen, prägen aber unsere Dörfer und stellen eine große Ressource in Hinblick auf nachhaltiges Wirtschaften, altersübergreifendes Wohnen und klimaangepasstes Verhalten dar.
Seit Jahren untersuchen und arbeiten wir mit Studierenden in diesem Bereich und bemühen uns, unter Wahrung der erforschten Geschichte Gebäuden und Räumen eine neue Nutzung zukommen zu lassen. Dabei stützen wir uns auf zuvor erhobene Analysen und Forschungen.
Situationsangepasst zeigen wir auf, welche Potentiale vor Ort möglich sind und beraten und unterstützen gemeinnützige Vereine und Kommunen, um zukunftsweisende und finanzierbare Konzepte zu entwickeln.
Vertiefend wissenschaftlich entstehen insbesondere bei Masterarbeiten aus dem Bereich Denkmalpflege, aber auch bei praxisorientierten Bachelorarbeiten interessante, wegweisende Arbeiten, die sich auch vergleichend kritisch mit Denkmalschutz auseinandersetzen.
Gerne können Sie sich u.a. bei den Abschlussthemen auf der Homepage unter: Masterstudiengang Denkmalpflege - Abschlussarbeiten (uni-halle.de) informieren.
Realisierte Projekte
- Untersuchungen von Gutshöfen und Schlössern in Sachsen-Anhalt
- Revitalisierungskonzepte für Schloß Erxleben
- Nutzungskonzepte Kirche Thurau
- Umbau und Nutzungsmöglichkeiten der Wirtschaftsgebäude Kloster Memleben
- Erweiterungsbauten für die Dorfgemeinschaft im Kontext zur Kirche Ipse
- Bauhistorische Untersuchungen an Kirche und Speicher in Krevese
- Untersuchungen und Entwürfe zur Umnutzung von Ställen und Speichern
- Forschungen zu Neubauernhäusern
Kontakt:
Ein „Science Lab“ für Nepal
Etwa 570 km westlich der nepalesischen Hauptstadt Kathmandu liegt die „Shree Sharada Basic School“. Diese Schule in der Gemeinde Shahipur ist eine der wenigen
grundständigen Bildungsmöglichkeiten für Kinder benachteiligter Familien und Waisenkinder der eher ländlich geprägten Region. Die Klassenräume der Schule
sind stark baufällig und aktuell mit 60 Kindern pro Klassenzimmer überlastet. Unlängst erhielt die Schule Materialen
für naturwissenschaftlichen Unterricht, doch aufgrund von Platzmangel können diese nicht eingesetzt werden. Es wird daher dringend ein weiteres Schulgebäude
benötigt, um eine gute Schulbildung in reduzierter In einer Kooperation zwischen der Hochschule Anhalt und dem Leipziger Verein Mirador e.V. werden wir nun
mit unseren Partnern der „Shree Sharada Basic School“ einen eingeschossigen multifunktionalen Raum für naturwissenschaftlichen
Unterricht entwickeln. In einem internationalen Team bestehend aus Professor*innen, Lehrer*innen, Studierenden und Schüler*innen, aber
auch aus Gemeindemitgliedern werden wir dieses Vorhaben gemeinsam ermöglichen.
Das somit entstehende „Science Lab“ wird auf dem gemeinnützig bereitgestellten Schulgelände der Grundschule geplant. Der Fokus beim Planen und Bauen soll
nach der Erdbebensicherheit vor allem auf nachhaltiges Bauen und lokale Baumaterialien gelegt werden.
Anschließend werden dort Lehrende der Bereiche Physik, Chemie und Biologie ihre Arbeit aufnehmen können und somit naturwissenschafltichen Unterricht ermöglichen.
Derzeit arbeiten wir an den Entwürfen für das Gebäude.
Parallel dazu führen wir Benefizveranstaltungen durch, stellen Förderanträge und akquirieren Spenden.
Für das 150 m² große Science Lab werden mindestens 70.000 Euro benötigt.
Kontakt:
Was tun, wenn das Geld nicht mehr reicht für all die schönen und wichtigen, historischen und modernen Kirchenbauten in Sachsen-Anhalt? Wer fördert was nach welchen Kriterien? Und was wird aus den Bauten, die durchs Raster fallen? Diese Fragen stellte im Sommersemester 2026 ein Kooperationsprojekt der Hochschule Anhalt und des Landesamts für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt – auf der Suche nach einer Matrix, einem ebenso begründeten wie pragmatischen Bewertungsraster.
Zum Hintergrund
Beinahe 2400 Kirchen und Kapellen finden sich im Denkmalverzeichnis von Sachsen-Anhalt. Doch für viele von ihnen steht zu befürchten, dass sie ihre angestammte Nutzung verlieren, dass sie geschlossen oder gar abgerissen werden. Denn immer mehr Menschen ziehen sich aus dem ländlichen Raum zurück, immer weniger Nachwuchs steht für das Pfarramt zur Verfügung. Mit ihrer schwindenden Finanz- und Mitgliederstärke sehen sich die Bistümer und Landeskirchen zunehmend gezwungen, ihren Baubestand kritisch zu überprüfen.
Wie kaum eine andere Denkmalgruppe zeugen Kirchen von den historischen, gesellschaftlichen, architektonischen und künstlerischen Entwicklungen der vergangenen Jahrhunderte. Viele Menschen identifizieren sich auch über eine konfessionelle Zugehörigkeit hinaus mit den Kirchen in ihren Dörfern und Städten. Als Dritte Orte regen sie zum kulturellen, sozialen und demokratiebildenden Austausch an – und laden nicht zuletzt als Vierte Orte zu besonderen Sinnerfahrungen ein.
Zum Ertrag
Das Kooperationsprojekt erarbeitete über eine Projektstelle im Sommersemesters 2026 nachprüfbare Kriterien: Wie kann staatliche Förderung am besten für den Erhalt und die Instandsetzung von Kirchen in Sachsen-Anhalt eingesetzt werden? In einem Seminar, einem Planspiel-Workshop und einem Fachtag wurden dafür Studierende, Fachleute und Interessierte ins Gespräch gebracht.
Anhand von zwei Modellregionen entstand ein Überblick zum Bestand, der nach Aspekten geordnet, ausgewertet und erweitert werden kann. Das Projekt entwickelte so eine Orientierung für kommende Szenarien. Doch schon während der Forschungsarbeit zeichnete sich ab, dass großer Bedarf an Beratung seitens der Kirchengemeinden besteht. Wie sich dies bewerkstelligen lässt, wie mögliche Auffangstrukturen für bedrohte Kirchen aussehen können, wird zwischen beiden Projektpartner:innen weiter ausgelotet.
Kontakt: