Können Mikroalgen dabei helfen, fossile Rohstoffe zu ersetzen und nachhaltige Produkte für die chemische und pharmazeutische Industrie oder die Ernährungsbranche bereitzustellen? An dieser Frage forscht die Hochschule Anhalt seit vielen Jahren und zählt zu den international renommiertesten Forschergruppen in dem Bereich. Für den Ausbau der Forschung erhält sie weitere Unterstützung: Wissenschaftsminister Prof. Dr. Armin Willingmann hat der Hochschule Anhalt am 3. August 2026 zwei Mittelzuweisungen und eine Förderzusage in Höhe von insgesamt rund 39 Millionen Euro übergeben. Die Gelder stärken den Ausbau der Algenbiotechnologie und den Forschungsstandort Sachsen-Anhalt.
Mit den Fördermitteln werden drei Vorhaben des Kompetenzzentrums Algenbiotechnologie (CAB) der Hochschule Anhalt unter der Leitung von Prof. Dr. Carola Griehl unterstützt: der Neubau des Mitteldeutschen Algenzentrums (MAZ) mit rund 32 Millionen Euro, finanziert vom Wissenschaftsministerium aus dem Sondervermögen „Infrastruktur“ des Bundes, sowie die Forschungsvorhaben „FuI@Algenbiotechnologie“ und „ProAlgenöl“, die mit EU-Mitteln gefördert werden. „Damit investieren wir in Sachsen-Anhalt gezielt in eine Zukunftstechnologie mit großem Potenzial für Klimaschutz, Innovation und nachhaltiges Wachstum“, betont Minister Willingmann. „Die Hochschule Anhalt spielt auf dem Gebiet der Algenbiotechnologie seit Jahren in der Champions League. Nun schaffen wir die Voraussetzungen, damit die exzellente Forschung noch schneller ihren Weg in die wirtschaftliche Anwendung findet.“
Mitteldeutsches Algenzentrum wird ab 2028 gebaut
Mit dem Mitteldeutschen Algenzentrum entsteht am Campus Köthen eine hochmoderne Forschungs-infrastruktur. Erstmals wird dort die gesamte Prozesskette der Algenbiotechnologie von der Kultivierung der Mikroalgen über die Gewinnung wertvoller Inhaltsstoffe bis zur Entwicklung neuer Produkte ermöglicht. Das MAZ soll Forschung und Wirtschaft enger zusammenbringen und neue Wertschöpfungsketten für die Agrar-, Lebensmittel-, Kosmetik-, Pharma- und Chemiebranche eröffnen. „Wir bauen damit unsere internationale Spitzenstellung in der Algenbiotechnologie konsequent weiter aus“, sagt Hochschulpräsident Prof. Dr. Jörg Bagdahn. „Das MAZ wird ein Ort sein, an dem exzellente Forschung, Technologietransfer und die Kooperation mit Unternehmen eng zusammenwirken. Davon profitieren unsere Studierenden ebenso wie die Wirtschaft und der Innovationsstandort Sachsen-Anhalt.“ Das Zentrum soll 1.967 m² Forschungsfläche umfassen. Der Baubeginn ist für Sommer 2028 geplant, die Inbetriebnahme des Gebäudes für Sommer 2030.
Förderung innovativer Forschungsvorhaben auf dem Gebiet der Algenbiotechnologie
Ergänzt wird das MAZ durch zwei weitere Forschungsvorhaben. Im Mittelpunkt von „FuI@Algenbiotechnologie: Forschung und Innnovation in der Algenbiotechnologie“ stehen Mikroalgen als nachhaltige Rohstoffquelle. „Viele denken bei Algen zunächst an Nahrungsergänzung oder toxische Algenblüten in Gewässern. Tatsächlich können sie aber eine Vielzahl wertvoller Rohstoffe liefern – von Ölen und Proteinen bis hin zu Grundstoffen für die chemische Industrie“, sagt Prof. Dr. Carola Griehl. „Unser Ziel ist es, dieses Potenzial wirtschaftlich nutzbar zu machen und fossile Ressourcen Schritt für Schritt zu ersetzen.“
Mit dem Projekt „ProAlgenöl: Verfahrensentwicklung zur Produktion von Algenöl mit der CO2-bindenden Grünalge Botryococcus braunii“ entwickelt das Forschungsteam dafür ein besonders effizientes Verfahren. Die CO₂-bindende Grünalge Botryococcus braunii produziert erdölähnliche, langkettige Kohlenwasserstofföle, die mithilfe eines an der Hochschule entwickelten und patentierten In-situ-„Milking“-Verfahrens bereits während des Wachstums kontinuierlich gewonnen werden können. Energie- und kostenintensive Verarbeitungsschritte entfallen dadurch. Die Herstellung biobasierter Rohstoffe wird wirtschaftlicher, die Technologie näher an die industrielle Anwendung gebracht.
Der zweite Forschungsneubau am Campus Köthen
Mit dem Mitteldeutschen Algenzentrum entsteht neben dem Interdisziplinären Forschungszentrum für nachhaltige Lebensmittelproduktion (InFonaL) in den nächsten Jahren der zweite große Forschungsbau der Hochschule Anhalt. Gemeinsam stärken beide Vorhaben den Campus Köthen als Standort für angewandte Forschung in den Life Sciences und unterstreichen die wachsende Bedeutung Sachsen-Anhalts für die Bioökonomie.