Am 04.12.2025 referierte Prof. Dr. Wolfram Schnäckel vom Standort Bernburg, Fachbereich LOEL, über ein von seiner Arbeitsgruppe bearbeitetes Forschungsprojekt zu den Möglichkeiten des Einsatzes von Hagebuttenmehl in Lebensmitteln als bisher ungenutzte, aber wertvolle Ballaststoffquelle.
Aktuell werden Hagebuttenprodukte in der Lebensmittelindustrie nur in wenigen Bereichen angewendet, beispielsweise in Marmeladen, Tees, Fruchtsäften, Tiernahrung oder sie werden in Pulverform als Nahrungsergänzungsmittel angeboten. Durch die Zerkleinerung des Hagebuttenmehls und anschließender Trennung sollen die unterschiedlichen Mehlfraktionen in verschiedenen Anwendungsbereichen (Grobfraktion für Peeling in Kosmetikindustrie, Feinfraktion in der Lebensmittelindustrie) zum Einsatz kommen. Insbesondere die ballaststoffreiche Feinfraktion soll als Zusatz bzw. als Substitut in verschiedenen Lebensmitteln eingearbeitet werden, um so in Bezug auf die ernährungsphysiologische Wirkung einen positiven Effekt zu erzielen. Außerdem kann dadurch die Produktvielfalt auf dem Markt deutlich erweitert werden, um dem stetig wachsenden Interesse der Konsumentinnen und Konsumenten an gesunden Lebensmitteln gerecht zu werden.
Ziele des Projektes sind somit einerseits die Entwicklung einer innovativen Technologie zur Zerkleinerung von Hagebuttenpresskuchen, welche die Erzeugung einer großen Fraktion sehr feiner Partikel ermöglicht sowie die Entwicklung eines geeigneten Trennverfahrens der verschiedenen Partikelgrößenfraktionen. Andererseits sollen konkrete Rezepturen für Produkte wie Backwaren, Milchprodukte, Brüh- und Rohwürste, vegane und vegetarische Würste, Smoothies, Fischerzeugnisse, Soßen, Aufstriche u.a. mit entsprechenden Ballaststofffraktionen entwickelt sowie Handhabungsanweisungen erstellt werden. Angestrebt wird der Einsatz von Hagebuttenmehl in deklarationsfähigen Mengen, um die Produkte als „Ballaststoffquelle“ (3 g Ballaststoff pro 100 g Produkt) bzw. „ballaststoffreich“ (6 g Ballaststoff pro 100 g Produkt) bezeichnen zu können. Die Bewertung der Lebensmittel erfolgt auf Grundlage sensorischer und ernährungsphysiologischer Untersuchungen.
Der Vortrag stieß auf ein sehr reges Interesse und löste eine lebhafte Diskussion rund um eine gesunde Ernährung aus.
Als sehr lecker wurden die angebotenen ballaststoffreichen Schokoladen-Pralinen mit 6% Hagebuttenmehl bewertet.
Das Projekt wird gefördert durch das Land Sachsen-Anhalt über die Investitionsbank des Landes.
Das Projekt wird im Förderzeitraum vom 01.03.2024 bis 31.12.2026 durch die Europäische Union und das Land Sachsen-Anhalt im Rahmen des Förderprogramms „Forschung und Entwicklung 2021–2027“ unterstützt. Kooperationspartner des Vorhabens ist die SanaBio GmbH.