Er versteht bei Projekten die verschiedenen Disziplinen und spricht ihre Sprache: Dr. Martin Heseler-Lülff, Professor für Landschaftsgestaltung und Gartenarchitektur an der Hochschule Anhalt, hat den Beruf von Grund auf erlebt. Sein „Umweg“ über die Praxis – als Bauleiter und Fachagrarwirt für Baumpflege – bringt heute besondere Perspektiven und praktische Einblicke in seine Lehrveranstaltungen. In diesem Interview erzählt er mehr darüber und erklärt, welche Kompetenzen für angehende Landschaftsarchitekt heute besonders wichtig sind.
Was hat Sie ursprünglich motiviert, nach Ihrer Lehre im Garten- und Landschaftsbau den Weg in die Landschaftsarchitektur und Stadtentwicklung einzuschlagen?
Prof. Heseler-Lülff: Das war tatsächlich ein längerer Prozess. Nach meiner Lehre habe ich erst einmal einige Jahre in der Praxis gearbeitet und mich dann als Fachagrarwirt auf Baumpflege spezialisiert. Während dieser Zeit kamen bei mir oft studentische Hilfskräfte auf die Baustellen. Wir unterhielten uns und so erhielt ich einen Einblick in die Landschaftsarchitektur. Das Thema ‚Stadt‘ als Lebensraum und die räumlichen Strukturen hatten mich ohnehin schon länger interessiert. Ich habe mich dann für ein Studium der Landschaftsarchitektur entschieden, was durch meine thematisch verwandte Ausbildung auch einfach möglich war. Stadt- und Regionalentwicklung wählte ich als Vertiefung.
Sehen Sie Vorteile in Ihrem „Umweg“ über Lehre und Weiterbildung?
Ja, ich bin wirklich froh, dass ich einen guten Blick über den Tellerrand der Landschaftsarchitektur hinaus erhalten habe. Dadurch kann ich bei komplexen Projekten die verschiedenen Disziplinen gut verstehen. Bei der Abstimmung hilft mir das auch – ich bin auf Augenhöhe mit ihnen und spreche die „gleiche Sprache“ wie sie.
Welche praktischen Fähigkeiten aus Ihrer Zeit als Bauleiter und in der Baumpflege finden Sie besonders wertvoll für Studierende der Landschaftsarchitektur?
In der Praxis sind es oft weniger die harten, technischen Fähigkeiten als die Soft Skills, die entscheidend sind – wie Kommunikation, Diplomatie und auch das Entwickeln einer eigenen, authentischen Herangehensweise an Projekte. Das sind die Dinge, die ich Studierenden gerne vermitteln möchte. Außerdem ist ein grundlegendes Verständnis über Bauprozesse wichtig. Das brauchen sie für jedes Projekt.
Was können Studierende in Ihren Lehrveranstaltungen erwarten? Worauf legen Sie besonders Wert und welche Schwerpunkte setzen Sie?
Ich versuche, die komplexen Inhalte anhand griffiger Beispiele oder Parallelen begreifbar zu machen und in den Köpfen zu verankern. Der „Blick über den Tellerrand“ ist für mich wesentlich. Ich möchte die Neugier bei den Studierenden wecken und sie ermutigen, stets umsichtig zu sein.
Was sind Ihrer Meinung nach die wichtigsten Trends in der Landschafts- und Gartenarchitektur, die Studierende kennen sollten, um in Zukunft erfolgreich zu sein?
Da gibt es einige große Themen: Natürlich spielen globale Entwicklungen wie der Klimawandel und die Individualisierung eine zentrale Rolle. Auch das Thema Umweltgerechtigkeit wird meines Erachtens sehr wichtig werden - also die Frage nach gleichwertigen Lebensverhältnissen. Und auf einer eher praktischen Ebene wird die Digitalisierung eine immer größere Bedeutung bekommen. Schon heute sind CAD-Kenntnisse unerlässlich, und mit Building Information Modeling (BIM) kommen in diesem Bereich stetig neue Werkzeuge hinzu. Auch Geoinformationssysteme (GIS) sind ein wichtiges Werkzeug und werden immer häufiger in den Büros nachgefragt. Der Einfluss der Künstlichen Intelligenz auf die Landschaftsarchitektur ist noch schwer abschätzbar.
Was geben Sie den Studierenden bei all diesen Trends mit auf den Weg?
Unterm Strich: Immer schön rege bleiben im Kopf und die Möglichkeiten ausloten!
Prof. Heseler-Lülff, herzlichen Dank für das Gespräch!