Wie können die zahlreichen Kirchengebäude in Sachsen-Anhalt auch künftig erhalten werden, wenn finanzielle Mittel knapper werden und sich ihre Nutzung verändert? Mit dieser Frage beschäftigt sich der Fachtag „Matrix reloaded“, zu dem die Hochschule Anhalt und das Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt am 4. September 2026 von 9:30 Uhr bis 16:30 Uhr in die Christuskirche in Halle (Saale) einladen. Dort werden die Ergebnisse des gemeinsamen Projekts „Kulturerbe Kirche – Kirchengebäude in Sachsen-Anhalt erhalten und beleben“ vorgestellt und mit Vertreterinnen und Vertretern aus Kirche, Denkmalpflege, Wissenschaft und Praxis diskutiert. Interessierte sind herzlich willkommen.
Im Mittelpunkt steht die Frage, nach welchen nachvollziehbaren Kriterien Kirchengebäude künftig bewertet und öffentliche Fördermittel möglichst zielgerichtet eingesetzt werden können. Vorträge und Workshops greifen dazu unterschiedliche Perspektiven auf und beschäftigen sich unter anderem mit den Themen Ressourcen, Gemeinschaft und Sinn.
Ausgangspunkt des Projekts ist die Entwicklung eines wissenschaftlich fundierten und zugleich praxistauglichen Bewertungsrasters für Kirchengebäude in Sachsen-Anhalt. Das gemeinsame Vorhaben der Hochschule Anhalt und des Landesamts für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt untersucht, wie staatliche Fördermittel künftig möglichst wirksam für den Erhalt und die Instandsetzung von Kirchen eingesetzt werden können. Dafür wird der Gebäudebestand systematisch erfasst, ausgewertet und nach verschiedenen Kriterien miteinander in Beziehung gesetzt. Ziel ist keine feste Auswahl einzelner Gebäude, sondern eine belastbare Grundlage für zukünftige Entscheidungen.
Hintergrund ist die zunehmende Herausforderung, den umfangreichen Bestand an Kirchengebäuden langfristig zu sichern. Im Denkmalverzeichnis Sachsen-Anhalts sind rund 2.400 Kirchen und Kapellen verzeichnet. Gleichzeitig gehen vielerorts die kirchlichen Nutzungen zurück. Gründe dafür sind unter anderem der demografische Wandel, weniger Pfarrnachwuchs sowie sinkende Mitgliederzahlen und finanzielle Ressourcen der Kirchen.
„Kirchen prägen das kulturelle Erbe Sachsen-Anhalts in besonderer Weise. Sie zeugen von der Geschichte des Landes, von architektonischen und künstlerischen Entwicklungen und stiften Identität in Städten und Dörfern. Darüber hinaus sind sie wichtige Arbeitsfelder für das Handwerk, touristische Anziehungspunkte und unverzichtbare Orte des gesellschaftlichen Austauschs“ betont Professorin Karin Berkemann, Leiterin des Projektes am Fachbereich Architektur, Facility Management und Geoinformation der Hochschule Anhalt.
Der Fachtag findet in der Christuskirche Halle statt, einem denkmalgeschützten expressionistischen Klinkerbau aus den Jahren 1926/27. Unter dem Namen Bürgerhaus Christuskirche verbindet der Bau kirchliches Leben mit Kultur-, Bildungs- und Sozialangeboten und steht beispielhaft für neue Nutzungsmöglichkeiten historischer Kirchengebäude.
Die Teilnahme am Fachtag ist kostenfrei und steht allen Interessierten offen. Da die Teilnehmerzahl begrenzt ist, wird um Anmeldung bis zum 27. August 2026 bei Elisabeth Klopf per E-Mail an elisabeth.klopf@hs-anhalt.de gebeten.
Die Veranstaltung wird gemäß der Fort- und Weiterbildungsordnung der Architektenkammer Sachsen-Anhalt mit fünf Fortbildungsstunden anerkannt.