In einigen Wochen soll der Geobasiszwilling Sachsen-Anhalt öffentlich zugänglich sein: ein datenbasiertes Abbild des Landes, das Kommunen bei Planung und Klimaanpassung unterstützen kann. Wie Geodaten dafür zur Grundlage werden und welche Rolle die Hochschule Anhalt dabei spielt.
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Geodaten für Kommunen: Sachsen-Anhalt baut einen digitalen Zwilling auf
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Am 9. Juli stellte Niklas Müller vom Landesamt für Vermessung und Geoinformation Sachsen-Anhalt die Idee des Digitalen Zwillings für das Land vor. Anlass war das Geodätische Kolloquium an der Hochschule Anhalt in Dessau. -
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Am 9. Juli stellte Niklas Müller vom Landesamt für Vermessung und Geoinformation Sachsen-Anhalt die Idee des Digitalen Zwillings für das Land vor. Anlass war das Geodätische Kolloquium an der Hochschule Anhalt in Dessau.
Sachsen-Anhalt steht kurz davor, einen digitalen Zwilling des Landes zu veröffentlichen. Der sogenannte Geobasiszwilling bündelt Geobasisdaten – standardisierte, georeferenzierte Informationen zur Erdoberfläche – in einer gemeinsamen Plattform und macht sie für Behörden, Kommunen und die Öffentlichkeit nutzbar. Niklas Müller vom Landesamt für Vermessung und Geoinformation Sachsen-Anhalt (LVermGeo) hat das Projekt am 9. Juli 2026 beim Geodätischen Kolloquium der Hochschule Anhalt vorgestellt.
Ein digitaler Zwilling ist, vereinfacht gesagt, ein maßstabsgetreues Modell der realen Welt: Gebäude, Straßen, Gewässer, Grünflächen werden erfasst, strukturiert und räumlich verortet. Wer Veränderungen plant, kann sie im Modell durchspielen, bevor Entscheidungen in der Praxis umgesetzt werden. Für Kommunen bedeutet das: bessere Grundlagen für Wärmeplanung, Wegekonzepte oder den Umgang mit Extremwetterlagen.
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Die Idee entstand als Anwendungsmöglichkeit für Geobasisdaten, die das Land in den vergangenen Jahren schrittweise im Sinne von Open Data freigegeben hat. Jetzt muss die Nutzung folgen.
Niklas Müller
Offene Daten als Ausgangspunkt
Die Idee entstand als Anwendungsmöglichkeit für Geobasisdaten, die das Land in den vergangenen Jahren schrittweise im Sinne von Open Data freigegeben hat. „Jetzt muss die Nutzung folgen", sagt Müller.
Das Vermessungs- und Geoinformationsgesetz Sachsen-Anhalt (VermGeoG LSA) schreibt fest, dass das „Geobasisinformationssystem des Landes als Raumbezugs- und Organisationsgrundlage für raumbezogene Fachinformationssysteme dienen soll“. Das LVermGeo führt dieses System und strukturiert die Daten einheitlich.
Auf den Geobasiszwilling sollen später sogenannte Fachzwillinge folgen. Die thematischen Erweiterungen haben einen speziellen Fokus, etwa für Verkehr, Umwelt oder Infrastruktur.
Konkrete Anwendungen: von Wärme bis Hochwasser
Kommunale Wärmeplanung. Städte und Gemeinden sind gesetzlich verpflichtet, einen Wärmeplan zu erstellen, der zeigt, wie die Wärmeversorgung vor Ort bis 2045 auf erneuerbare Energien umgestellt werden soll. Dafür brauchen Kommunen räumlich genaue Informationen: Wo gibt es Wärmenetze? Welche Gebiete eignen sich für Geothermie, wo ist Fernwärme sinnvoll? Geodaten liefern die räumliche Grundlage für diese Entscheidungen und machen Versorgungsoptionen vergleichbar.
Ländliche Wegekonzepte. In dünn besiedelten Regionen ist der Zustand von Wirtschafts- und Feldwegen schwer systematisch zu erfassen. Geodaten ermöglichen eine strukturierte Bestandsaufnahme und Priorisierung. Das ist besonders für Kommunen mit begrenzten Ressourcen hilfreich.
Hochwassermanagement. Bei einem Hochwasserereignis zeigt der digitale Zwilling, welche Gebiete betroffen sind, wo kritische Infrastruktur liegt und welche Bevölkerungsgruppen besonders gefährdet sind, wie zum Beispiel Intensivpatient:innen in einem nahegelegenen Krankenhaus. Das schafft Grundlagen für schnellere, gezieltere Entscheidungen.
Die Vision hinter dem digitalen Zwilling ist eine noch engere Verknüpfung von Daten und Verwaltungsalltag: ein schneller Überblick über Trockenstress, Müllmengen oder Verkehrslagen, auf die unmittelbar reagiert wird. Das sei noch Zukunft und wahrscheinlich eher in den 2030er Jahren machbar, aber das Ziel sei klar, so Müller.
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Digitaler Zwilling für Kommunen: Eine technische und organisatorische Aufgabe
Bereits die Umsetzung des Geobasiszwillings ist anspruchsvoll. Unterschiedliche Datenstandards, 2D- und 3D-Daten, verschiedene Fachdaten und nutzerfreundliche Anwendungsoberflächen müssen zusammengeführt werden. Das LVermGeo kooperiert dafür mit der Landesstraßenbaubehörde, Kommunen, dem Ministerium für Infrastruktur und Digitales, Nahverkehrsorganisationen und Forschungseinrichtungen.
Über die Technik hinaus stellt sich eine grundsätzliche Frage: Wie werden aus verfügbaren Daten Anwendungen, die tatsächlich Nutzen stiften? Müller hat diese Frage am Ende seines Vortrags ausdrücklich an die Studierenden im Hörsaal weitergegeben. Bachelor- und Masterarbeiten zu konkreten Anwendungen des digitalen Zwillings hätten an der Hochschule Anhalt gute Tradition. Das Thema sei ein Ausgangspunkt für neue Forschungsfragen.
Hochschule und Landesamt: eine gewachsene Verbindung
Müller hat seinen Studiengang Vermessung und Geoinformatik zwischen 2020 und 2025 am Campus Dessau der Hochschule Anhalt absolviert. Sein Weg ist kein Einzelfall: Ein Großteil der dual Studierenden dieses Studiengangs hat das LVermGeo als Praxispartner. Die Hochschule bildet aus, das Landesamt bringt aktuelle Anforderungen aus der Praxis zurück in den Lehrbetrieb.
Diese Verbindung zeigt sich auch in den Geodätischen Kolloquien, die das Institut für Geoinformation und Vermessung seit über 20 Jahren ausrichtet. Dreimal pro Sommersemester kommen Forschende, Studierende und Fachleute aus Behörden und Unternehmen zusammen. Der Hörsaal am 9. Juli war gut besucht: neben Studierenden und Hochschulangehörigen waren die Präsidentin des LVermGeo, Cordula Jäger-Bredenfeld, Vertreter:innen der Stadt Dessau und des Deutschen Vereins für Vermessungswesen in Sachsen-Anhalt anwesend, der bei diesem Anlass auch die besten Masterarbeiten des Jahrgangs auszeichnete.
„Kommunikation und Austausch sind essenziell für Weiterentwicklung und Innovation", sagt Prof. Dr. Marion Pause. „Die thematische Vielfalt der Vorträge spiegelt zugleich die große Bandbreite der Geodäsie wider."
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Das Geodätische Kolloquium bildet traditionell den Abschluss des Sommersemesters für den Bereich Geoinformation und Vermessung auf dem Campus Dessau. Vom Fachbereich waren dabei (v.l.): Prof. Dr. Holger Baumann, Prof. Dr. Jens Hartmann, Prof. Dr. Lothar Koppers, Prof. Dr. Marcel Heinz, Prof. Dr. Marion Pause, Prof. Dr. Tobias Kersten, Prof. Dr. Boris Kargoll.
Fernerkundung als Perspektive für den digitalen Zwilling
Was heute in den Geobasiszwilling einfließt, stammt überwiegend aus klassischer Vermessung und amtlichen Quellen. Parallel dazu entstehen neue Daten. So forscht etwa die Arbeitsgruppe Photogrammetrie und Fernerkundung um Prof. Dr. Marion Pause an Technologien, die für zukünftige Anwendungen relevant werden könnten. So fördert die Deutsche Forschungsgemeinschaft am Institut den Einsatz einer Hyperspektralkamera im thermalen Infrarotbereich. Sie erfasst Wellenlängen jenseits des sichtbaren Lichts und macht damit sichtbar, was das Auge nicht wahrnimmt: Trockenstress in Wäldern, Temperaturverteilungen in der Agrarlandschaft, Veränderungen der Bodenfeuchte. Solche Daten könnten langfristig auch für Anwendungen im digitalen Zwilling nutzbar werden.
Fachkräfte für eine datengetriebene Verwaltung
Zum Abschluss des Kolloquiums stand die Frage im Raum, was künftige Fachkräfte mitbringen müssen, um Geodaten sinnvoll in die Anwendung zu bringen. Technisches Wissen – etwa der Umgang mit Programmierschnittstellen (APIs) – sei sicher eine Voraussetzung, schätzte Niklas Müller ein. Mindestens ebenso wichtig seien Projektfähigkeit, Kooperationsbereitschaft und die Fähigkeit, über Fachgrenzen hinaus zu denken.
Wer Daten in nützliche Anwendungen übersetzen will, braucht beides: technisches Handwerk und den Blick für gesellschaftliche Anforderungen. Diese Verbindung beschreibt auch den Anspruch, den die Hochschule Anhalt mit ihrem Studiengang Vermessung und Geoinformatik verfolgt. Die Geodätischen Kolloquien machen diesen Anspruch seit mehr als zwei Jahrzehnten als Ort des Austauschs zwischen Wissenschaft, Verwaltung und Praxis sichtbar.
Der Geobasiszwilling Sachsen-Anhalt soll in Kürze öffentlich zugänglich sein. Weitere Informationen zum Studiengang Vermessung und Geoinformatik sowie zu Forschungsprojekten des Instituts für Geoinformation und Vermessung finden Sie auf der Website der Hochschule Anhalt.
Mehr zur Fernerkundungsforschung von Prof. Dr. Marion Pause:
Klimawandel mit den Augen von oben, Teil 1 und Wärme in 3D: Fernerkundung für Stadt- und Landschaftsplanung
Claudia Aldinger
Programm und Informationen zum Geodätischen Kolloquium 2026: https://dvw.de/st/neuigkeiten/geodaetische-kolloquien-2026
Zum Fachbereich Architektur, Facility Management und Geoinformation: https://www.hs-anhalt.de/hochschule-anhalt/architektur-facility-management-und-geoinformation/uebersicht.html