Prof. Dr. Christiane Naumann ist Professorin für Entrepreneurship und Unternehmensführung an der Hochschule Anhalt. Im Interview berichtet sie von internationalen Bildungsprojekten, der Zusammenarbeit mit Gründerinnen und Gründern – und davon, warum gerade Unsicherheit ein guter Startpunkt sein kann.
Frau Prof. Dr. Naumann, Sie sind nunmehr seit einem Jahr an der Hochschule Anhalt. Wie sind Sie zur Lehre gekommen?
Ich habe viele Jahre in der Wirtschaft gearbeitet, zunächst bei Siemens – in der Bahnautomatisierung, im internationalen Projektgeschäft und später in der Strategieentwicklung in der Schweiz. Irgendwann kam der Wunsch, in den Bildungsbereich zu wechseln. 2016 habe ich erstmals an der Hochschule Anhalt unterrichtet, im Rahmen eines MBA-Moduls in Ghana zum Thema Strategie. Das war eine tolle Erfahrung – praxisnah, international und inhaltlich genau mein Thema. Ab da war klar: Das will ich weiterverfolgen.
Wie ging es dann weiter?
Ich habe promoviert – an der Universität der Künste Berlin, begleitet von einer Lehrtätigkeit an der HTW Berlin in den Bereichen Projektmanagement und Innovationsmanagement. Parallel habe ich internationale Bildungsprojekte entwickelt und betreut, unter anderem in Vietnam, China, Ghana und auf den Philippinen – oft ging es um Hochschulkooperationen, Weiterbildung und zuletzt auch Fachkräftesicherung. Dieses internationale Engagement war mir immer wichtig und prägt auch meine Arbeit an der Hochschule Anhalt.
Was unterrichten Sie an der Hochschule am Campus Bernburg?
Ich lehre im Bereich „Entrepreneurship und Unternehmensgründung“ und betreue den Bachelorstudiengang International Business (IBS). Oft geht es darum, wie man Ideen entwickelt, Geschäftsmodelle denkt, Innovationen umsetzt – und dabei den Mut nicht verliert. Neben der Lehre bin ich auch Studienfachberaterin im IBS und begleite viele internationale Studierende. Gerade in diesem Kontext versuche ich, einen praxisnahen Zugang zur Unternehmensgründung zu schaffen.
Was heißt „praxisnah“ konkret?
Ich arbeite eng mit dem Gründerzentrum der Hochschule zusammen, beziehe es aktiv in die Module ein. Die Studierenden entwickeln eigene Ideen, führen Interviews mit potenziellen Kundinnen und Kunden, erarbeiten Prototypen und validieren ihre Konzepte. Ziel ist nicht nur ein theoretisches Verständnis, sondern auch die Erfahrung: Ich kann das wirklich ausprobieren. Eine Gruppe aus dem Modul hat sogar beschlossen, ihre Idee weiterzuverfolgen – das freut mich sehr.