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Mit Händen denken, mit dem Kopf gestalten

  • Ein Mann mit kurzem, lockigem Haar, Brille und leichtem Bart lächelt freundlich. Er trägt einen grünen Tweed-Blazer über einem weißen Hemd und sitzt entspannt auf einer Metallgeländer-Stütze vor einem modernen Gebäude mit Glas- und Betonelementen. © Hochschule Anhalt - Uwe Jacobshagen

Alberto Iberbuden ist aus Argentinien nach Dessau gekommen – und geblieben. Als Doktorand erforscht er, wie Achtsamkeit das Lernen im Design verändern kann.

Als Alberto Iberbuden noch zur Schule ging, lernte er, wie man Holz sägt, Metall formt und elektrische Schaltkreise anlegt. Nicht weil es Pflicht war, sondern weil ihn die Dinge, die er mit seinen Händen erschaffen konnte, nie losließen. In seiner Heimatstadt im Norden Argentiniens besuchte er eine technische Schule, die verschiedene Disziplinen miteinander verband. Und während andere überlegten, was sie einmal werden wollten, wusste Alberto: Er wollte verstehen, wie Dinge entstehen.

Vom Südwinter in den deutschen Herbst

Industriedesign studierte er schließlich an der Universität in Córdoba (Argentinien) und lernte Produkte zu entwerfen, von Stühlen bis hin zu komplexen Maschinen. Ein Studium in Europa? Das schien zunächst unvorstellbar. Doch ein kleines Stipendium öffnete eine Tür, die er mutig durchschritt: 2017 zog Alberto nach Dessau, um den Masterstudiengang Integriertes Design zu beginnen. Er ließ das ewige Sommerwetter des argentinischen Nordens hinter sich und entdeckte in den vier deutschen Jahreszeiten etwas Überraschendes: eine neue Art zu denken. „In einem Land mit kälterem Klima sehe ich, wie sich die Menschen je nach Jahreszeit unterschiedlichen Aktivitäten widmen“, sagt er. „Das gefiel mir sehr.“ Dessau wurde nicht nur sein Studienort. Es wurde sein Zuhause.

Design und Achtsamkeit: eine unerwartete Verbindung

Heute ist Alberto Doktorand an der Hochschule Anhalt und unterrichtet Designtheorie und Designforschung in den Masterstudiengängen. Seine Dissertation bewegt sich auf ungewohntem Terrain: Im Mittelpunkt stehen Achtsamkeitspraktiken und die Frage, wie Designerinnen und Designer überhaupt lernen. Konkret fragt er, wie Meditation – richtig in den Unterricht eingebettet – Kreativität, Aufmerksamkeit und Empathie im Designstudium stärken kann.

Seine Ansätze sind alles andere als konventionell: „Es geht nicht nur darum, die Augen zu schließen und sich zu konzentrieren“, macht er klar. Er hat Experimente entwickelt, bei denen Zeichnen, Gehen, Beobachten, Zuhören und kreative Projekte als Wege zur Achtsamkeit erprobt werden. In echten Designklassenzimmern, mit echten Studierenden. Seine zentrale These: Diese Praktiken kommen nicht nur den Lernenden zugute, sondern verändern das gesamte Lernsystem.

„Empathie und Zusammenarbeit“

Was Alberto antreibt, lässt sich in wenigen Worten zusammenfassen: Er möchte neue Wege der Wissensvermittlung entwickeln, die auf Empathie und Zusammenarbeit basieren. Als ganzheitlich denkender Designer reichen seine Interessen von Philosophie bis zum systemischen Denken. „Und ich lande immer wieder bei der einen Frage: Wie denken und handeln designende Menschen? Und wie können sie besser darin werden?“, erklärt er.

"Ich lande immer wieder bei der einen Frage: Wie denken und handeln designende Menschen? Und wie können sie besser darin werden?"

Alberto Iberbuden

Die Dissertation ist fast fertig. Er fasst gerade die Ergebnisse seiner Experimente zusammen. Im Juni wird Alberto die Hochschule Anhalt auf der Design Research Society Konferenz in Edinburgh vertreten – einem der bedeutendsten Treffen der Designforschungsgemeinschaft weltweit. 

Von der technischen Schule in Argentinien über die Designfakultät in Córdoba bis zum Doktorat in Dessau: Alberto Iberbuden hat nie aufgehört zu fragen, wie Dinge entstehen – und wie Menschen dabei wachsen können. Achtsamkeit ist dabei keine Nebensache.

Wäre Alberto Iberbuden nicht da, fehlte jemand, der fragt, was im Inneren eines Lernenden vorgeht – und der daraus Wissenschaft macht.

Kontakt

Bettina Kranhold

Redaktion

Katja Wallrafen

Über den Studiengang

Der Studiengang Integriertes Design gibt Antworten auf das heutige Miteinander sämtlicher Spielarten des Designs. Persönlichkeit, Ideenvielfalt, Kommunikations- und Teamfähigkeit, sowie Entscheidungs- und Urteilsvermögen sind ausschlaggebend für den späteren beruflichen Erfolg. 

Das Dessauer Studienmodell bereitet Studierende auf vielseitige Anforderungsprofile vor und bietet nachhaltige und langfristige fachliche Kompetenz und damit eine Ausgangsposition, die sie flexibel auf zukünftige Entwicklungen in allen Arbeitsfeldern des Designs reagieren lässt.

Mehr Infos zum Studiengang finden Sie hier.