"Mathematik fasziniert durch ihre Klarheit und Struktur – gemeinsam erarbeiten wir Schritt für Schritt den Weg durch Formeln, Methoden und Modelle." Mit diesem Motto möchte Dr. Friederike Paetz, neu berufene Professorin für Mathematik, Statistik und spezielle Informatik an der Hochschule Anhalt, die Ängste vor Zahlen abbauen. Im Interview spricht sie über ihre ersten Eindrücke vom Campus, was das Besondere an mathematischer Forschung ist und was sie ihrem jüngeren Selbst heute raten würde.
Professorin Paetz, Sie wurden im Mai 2024 zur Professorin für Mathematik, Statistik und spezielle Informatik am Fachbereich Landwirtschaft, Ökotrophologie und Landschaftsentwicklung der Hochschule Anhalt berufen. Wie waren Ihre ersten Monate in Bernburg, und welche Eindrücke haben Sie vom Campus und den Studierenden gewonnen?
Schon bei meiner Ankunft hat mich der wunderschöne Campus begeistert. Im Frühling erstrahlte alles in voller Blüte, und auch jetzt lädt das grüne Umfeld zum Verweilen und Staunen ein. Es ist eine Umgebung, die zum Lernen und Forschen inspiriert. Was mich besonders gefreut hat, war die herzliche Aufnahme durch meine neuen Kolleginnen und Kollegen. An der Hochschule Anhalt herrscht ein tolles Miteinander, was mir den Einstieg wirklich leicht gemacht hat. Ende September starte ich meinen Lehrbetrieb mit einem Online-Vorkurs Mathematik und freue mich auf ein anschließendes spannendes erstes Wintersemester mit meinen Studierenden.
Sie haben Mathematik mit dem Nebenfach Betriebswirtschaftslehre an der Universität Paderborn studiert und 2013 an der TU Clausthal promoviert. Was hat Sie ursprünglich zur Mathematik und Statistik gezogen?
Mathematik hat mich schon immer durch ihre Klarheit und Struktur fasziniert. Die Möglichkeit, komplexe Zusammenhänge auf einfache und elegante Weise darzustellen, hat mich von Anfang an begeistert. In der Schulzeit hatte ich das Glück, von Lehrkräften unterstützt zu werden, die diese Begeisterung teilten. Für mich war es daher eine natürliche Entscheidung, Mathematik zu studieren und anschließend in einem mathematischen Anwendungsgebiet zu promovieren und habilitieren.
Woran arbeiten Sie derzeit an der Hochschule Anhalt? Welche Forschungsprojekte stehen im Fokus?
Die Mathematik ist ein Feld, das ständige intellektuelle Herausforderung bietet und gleichzeitig enormes Potenzial zur Verbesserung und Innovation in vielen Bereichen der Gesellschaft hat. Die praktischen Anwendungsmöglichkeiten sind unglaublich mannigfaltig und das macht einen großen Reiz an diesem Forschungsgebiet aus. An der Hochschule Anhalt bin ich in verschiedenen Forschungsprojekten aktiv, viele davon in Zusammenarbeit mit anderen Fachbereichen. Die Vernetzung und gemeinsame Arbeit mit anderen Forscherinnen und Forscher, insbesondere auch aus ganz unterschiedlichen Fachbereichen, ist ein essenzieller Baustein für herausragende Forschung.
Was sind Ihrer Meinung nach die größten Herausforderungen für Studierende in den Bereichen Mathematik, Statistik und Informatik, und wie unterstützen Sie sie dabei?
Eine der größten Herausforderungen ist es, Ängste gegenüber Mathematik und Statistik abzubauen. Viele haben die Vorstellung, dass diese Fächer schwierig und abstrakt sind. Ich versuche, Ängste abzubauen und meine Studierenden genau dort abzuholen: Durch viele Beispiele und Anwendungen erarbeiten wir uns gemeinsam Schritt für Schritt einen Weg durch Formeln, Methoden und Modelle.
Wie sehen Sie die Zukunft der Mathematik- und Statistik-Ausbildung in den nächsten zehn Jahren? Welche Technologien könnten dabei eine entscheidende Rolle spielen?
Die Ausbildung wird in Zukunft noch stärker Technologie-getrieben, interaktiv und personalisiert sein. Wir erleben gerade einen wahren Aufschwung an digitalen Lernmöglichkeiten. Technologien wie künstliche Intelligenz könnten es ermöglichen, über adaptive Lernplattformen gezielt auf Wissenslücken einzugehen und individualisierte Lernwege anzubieten. Intelligente Feedbacksysteme könnten zudem sofortiges und detailliertes Feedback geben, was das Lernen deutlich effizienter macht. Diese Entwicklungen nutzen wir bereits an der Hochschule Anhalt, zum Beispiel durch unsere Lernplattform Moodle.
Welchen Rat würden Sie Ihrem jüngeren Selbst geben, das gerade erst in die Welt der Wissenschaft eintritt?
Das ist eine sehr interessante Frage, die ich gar nicht nur auf mich gemünzt, sondern gern breiter gefächert beantworten möchte: „Lass‘ dich niemals entmutigen, bleibe stets neugierig und hinterfrage konstant!“ Fehler und Rückschläge bieten teilweise Optionen für viel phantastischere Perspektiven und Ergebnisse als zunächst angestrebt. Außerdem würde ich raten, den Austausch mit anderen nicht zu unterschätzen. Gerade am Anfang einer wissenschaftlichen Karriere vergisst man leicht, wie wichtig Netzwerke sind. Ein gut gepflegtes Netzwerk kann Türen öffnen und wertvolle Kooperationen ermöglichen.
Professorin Paetz, vielen Dank für das Gespräch!