Seit diesem Semester ist Prof. Heike Schmidt Professorin für Strategische Kommunikation und Gestaltung am Fachbereich Design der Hochschule Anhalt. Im Gespräch berichtet die Organisations- und Markenentwicklerin über ihren Weg an die Hochschule, welche Kompetenzen sie aus Marktperspektive für eine zeitgemäße Designlehre als besonders relevant erachtet und wie sie den Standort Dessau in ihren ersten Monaten erlebt.
Aktuelles
Strategie, Gestaltung und Verantwortung zusammendenken
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© Hochschule Anhalt/Esther Hoyer
Prof.Heike Schmidt, Fachbereich Design Dessau, Hochschule Anhalt
Frau Schmidt, Sie kommen aus der Wirtschaft, haben mit zahlreichen bekannten Unternehmen und Marken gearbeitet. Wie war Ihr Weg an die Hochschule?
Ich habe Kommunikationsdesign studiert und mich nach dem Studium auf Markenstrategie- und kommunikation spezialisiert. Meine ersten Arbeitgeber waren international renommierte Agenturen wie Pentagram oder MetaDesign. Dadurch hatte ich das Glück, von Anfang an namhafte Marken beraten zu dürfen. Das setzte sich auch in meiner eigenen Agentur fort.
In der Praxis wurde mir später zunehmend bewusst, dass das Thema Marke – also das, was Menschen mit einem Unternehmen oder einem Produkt verbinden – eine zentrale Rolle für die interne Ausrichtung von Unternehmen sowie für Führung, Zusammenarbeit und kulturelle Entwicklung innerhalb dieser Organisationen spielt.
Um Unternehmen nicht nur kommunikativ, sondern ganzheitlich begleiten zu können, entschied ich mich, neben meiner Agenturtätigkeit, zahlreiche Ausbildungen auf dem Gebiet der systemischen Organisationsentwicklung zu absolvieren. Damit bin ich heute in der Lage, strategisches Denken, gestalterische Kompetenz und Organisationsentwicklung zu verbinden und diese Instrumente »holistisch« für nachhaltige Marken- und Unternehmensentwicklung zu nutzen. Genau mit diesem Konzept habe ich mich für die Professur für »Strategische Kommunikation« an der Hochschule Anhalt beworben.
Was nehmen Sie davon mit in Ihre Lehre?
Eigentlich alles. Ich bin der festen Überzeugung, dass die heutige Gestaltungskompetenz nicht mehr darin liegt, Inhalt und Funktion eine Form zu geben, sondern komplexe Probleme durch systemisches Verstehen, strategisches Denken sowie durch verantwortungsvolles und kollaboratives Handeln zu lösen. Gestaltung wird damit zu einer Form des strategischen Denkens. Das muss den Studierenden verständlich und erlebbar vermittelt werden.
Ein weiterer wichtiger Aspekt für Studierende – gerade in der Zusammenarbeit mit künstlicher Intelligenz – ist die Fähigkeit, kuratorisch zu arbeiten: also Inhalte, Perspektiven und Prozesse bewusst zu strukturieren, zu bewerten und in einen sinnvollen Zusammenhang zu bringen.
Wir Designerinnen und Designer werden mehr und mehr zu »kreativen Strateg*innen« als auch zu »kreativen Dirigent*innen und Kurator*innen«. Dafür braucht es ein Verständnis von Strukturen, Dynamiken und Prozessen innerhalb und außerhalb von Organisationen – und das Wissen, wie man sich darin bewegt.
Das klingt nach einem ziemlich breiten Ansatz. Wie sieht das dann im Seminar aus?
Meine Seminare sind stark praxisorientiert angelegt. Mir ist wichtig, dass Studierende Prozesse und Strategien nicht nur als theoretische Konstrukte erfahren, sondern sie aktiv erleben und erproben. Das bedeutet, reale Fragestellungen zu bearbeiten, unterschiedliche Vorgehensweisen auszuprobieren und eigene Erfahrungen im Umgang mit Komplexität zu sammeln.
Mein Ziel ist es, den Studierenden ein fundiertes Set an Tools und Skills an die Hand zu geben, das sie befähigt, Strategien zur Lösung von relevanten Problemen unserer Zeit zu entwickeln.
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Gestaltung wird zu einer Form des strategischen Denkens. Das muss den Studierenden verständlich und erlebbar vermittelt werden.
Sie haben das neue Modul „Strategische Kommunikation und Gestaltung“ übernommen. Was können die Studierenden da erwarten?
Im Modul „Strategische Kommunikation und Gestaltung“ erwartet die Studierenden eine enge Verzahnung von Kommunikationsstrategie, Gestaltung und organisationsbezogenen Fragestellungen.
Im Grunde geht es darum, herauszufinden, welche Strategien konkret angewandt werden müssen, um die Bedürfnisse von Nutzern zu befriedigen. Hier denken wir von klein, zum Beispiel in Richtung einer Kommunikationsstrategie für ein Produkt, bis ganz groß, wie der Fragestellung, ob politische Parteien, wie wir sie kennen, heute überhaupt noch Bestand haben oder ob es neue inhaltliche und kommunikative Strategien in der Politik benötigt und wie diese dann ausgestaltet werden.
Wir beschäftigen uns also damit, wie Kommunikation gezielt und strategisch eingesetzt werden kann, um Orientierung zu schaffen, Entscheidungen zu unterstützen und Entwicklungen zu ermöglichen.
Wie erwähnt, möchte ich aber nicht nur methodisches Wissen vermitteln, sondern auch erfahrbar machen, dass wir Gestaltung, Strategie und Zusammenarbeit verantwortungsvoll und wirksam miteinander verbinden können, um eine professionelle Haltung auszubilden.
Dabei ist es mir wichtig, dass die Studierenden ihre eigenen Kompetenzen sowie Ressourcen bewusst wahrnehmen und weiterentwickeln. Fester Bestandteil des Moduls ist also auch immer eine intensive Reflexionsarbeit an uns selbst.
Können Sie ein Beispiel geben, was Sie konkret vorhaben?
Dieses Semester erforschen wir mit einem Projekt »Feedbackkultur im Kreativkontext«. Feedback ist für mich eine zentrale Voraussetzung, um kontinuierliches Lernen, Innovation sowie persönliche und professionelle Weiterentwicklung zu ermöglichen. Ziel ist es, dass Studierende schon ab dem ersten Semester routiniert mit Feedback umgehen und damit aktiv eine Kultur der Offenheit und Innovation mitgestalten.
Der Fokus liegt darauf, Strategien zu erforschen, als auch Fähigkeiten zu entwickeln und zu erproben, die es ermöglichen, konstruktives und wertschätzendes Feedback zu geben – und ebenso souverän anzunehmen.
Aus den im Projekt erworbenen Erkenntnissen entwickeln die Studierenden am Ende ein Feedback Kit für Anwender: Das kann ein Tool, ein Spiel oder eine Methode sein. Das Ergebnis ist bewusst offen gehalten, denn der Fokus liegt auf der Exploration und dem Erleben von Feedbackprozessen.
Um die Relevanz von Feedback im Unternehmenskontext zu verdeutlichen, beziehen wir auch externe Expert:innen mit ein – Profis, die mit Unternehmen an Feedbackkultur arbeiten. So erleben die Studierenden direkt, wie Feedback in Organisationen wirkt und welchen Unterschied eine reflektierte Rückmeldungskultur machen kann.
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Ich möchte, dass Studierende schon ab dem ersten Semester routiniert mit Feedback umgehen und damit aktiv eine Kultur der Offenheit und Innovation mitgestalten.
Wie erleben Sie Dessau bisher?
Ich erlebe Dessau als einen besonderen Ort – vor allem durch die Atmosphäre auf dem Campus und die unmittelbare Nähe zum Bauhaus. Diese Nähe ist für mich nicht nur räumlich spürbar, sondern auch in der Haltung: Gestaltung als gesellschaftliche Aufgabe zu verstehen.
Was mich darüber hinaus anspricht, ist die Überschaubarkeit und Direktheit. Begegnungen sind persönlich, Wege kurz, Austausch entsteht schnell. Das schafft gute Voraussetzungen für Zusammenarbeit, für neue Ideen und für das gemeinsame Entwickeln von Projekten.
All das deckt sich absolut mit meiner Auffassung von Lehre, Gestaltung und Diskurs und macht Dessau damit für mich als neu berufene Professorin zu einem idealen Ort für meine Arbeit und Forschung.
Vielen Dank für das Gespräch, Frau Prof. Schmidt!
Bettina Kranhold
RedaktionVeronika Rivera
Der Studiengang Integriertes DesignAls Designausbildung auf Höhe der Zeit wird an der Hochschule Anhalt Integriertes Design sowohl im Bachelor, als auch im Masterstudiengang angeboten. Der Studiengang kombiniert die drei Studienrichtungen Kommunikationsdesign, Produktdesign und Mediendesign.
Je nach Interesse bilden die Studierenden individuelle Schwerpunkte: So lernen sie den Umgang mit sämtlichen Gestaltungsmitteln - grafisch, typografisch, formgestalterisch, fotografisch, filmisch, auditiv und interaktiv.
Bewerbung für das Wintersemester 26/27 ab sofort möglich.
Mehr Infos unter www.hs-anhalt.de/des.