Wo Moore auf Ideen treffen – Alexander Bieß verbindet Klimaschutz, Materialforschung und regionale Transformation. Sein Traum: Ein Kohlerevier wird zum Kohlenstoffspeicher.
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Vom Moor zum Baustoff
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© Hochschule Anhalt - Uwe Jacobshagen
Der Name sagt eigentlich alles: ‚Paludi-Alex‘ (Dipl.-Ing. Alexander Bieß) denkt schon, während andere noch googeln, was ein Moor überhaupt ist. Als technisch-strategischer Generalist übersetzt der 45-Jährige komplexe Zusammenhänge direkt in Projekte. Technik, Prozesse, Menschen – er verliert keines der drei aus dem Blick. Und Wiedervernässung? Für ihn kein Naturschutzthema, sondern der Startschuss für neue regionale Wertschöpfung und biologische Baustoffe.
Moore können Teil der Bauwende werden! Für Alexander Bieß ist die Ökologie wichtig, aber er will auch Klimaschutz, Materialinnovation und regionale Wertschöpfung verbinden. Der wissenschaftliche Mitarbeiter der Hochschule Anhalt arbeitet an Materialinnovationen und -prüfungen, an der Nutzung von Hochmoormoosen als Substrat für Living Walls sowie an logistischen und betriebswirtschaftlichen Fragen von Biomasseverteileranlagen. Angedockt an gleich drei Fachbereiche (1–3) der Hochschule Anhalt ist er das beste Beispiel dafür, wie interdisziplinäre Zusammenarbeit gelingt.
Wiedervernässung als Wertschöpfungsstrategie
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Moore sind Klimaschlüsselräume. Sie speichern weltweit mehr Kohlenstoff als alle Wälder – bei nur etwa drei Prozent der Landfläche. Werden sie entwässert, kehrt sich ihre Wirkung um. In Deutschland sind rund 95 Prozent der Moore trockengelegt. Sie verursachen jährlich etwa 53 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalente. Das sind rund 7,5 Prozent der gesamten Emissionen, was in etwa der Größenordnung der Emissionen der Zementindustrie entspricht.
„Gleichzeitig liegt hier ein enormer Hebel: Moore machen nur etwa sieben Prozent der landwirtschaftlichen Fläche aus, sind aber für rund vierzig Prozent der Emissionen verantwortlich. Viel Wirkung auf wenig Fläche. Klimaschutz ohne Moore funktioniert nicht. Wiedervernässung ist der erste Schritt“, sagt Alexander Bieß.
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"Klimaschutz ohne Moore funktioniert nicht."
Alexander Bieß
Und hier kommt die Paludikultur ins Spiel – die Nutzung nasser Moore. „Auf wiedervernässten Flächen wächst Biomasse: Schilf, Rohrkolben, Wollglanzgras, Seggen oder Sphagnum. Regional, nachwachsend, bisher kaum im Bau eingesetzt. Ich arbeite daran, diese Rohstoffe in Baustoffe zu übersetzen. Nicht als einfache Kopie bestehender Produkte, sondern als neue Materiallogik. Pflanzliche Fasern verändern Struktur, Gewicht und Verhalten – und eröffnen neue Möglichkeiten“, erläutert er. Gebäude können so zu Kohlenstoffsenken werden. „Paludikultur ist für mich mehr als Landwirtschaft – sie ist ein Hebel, um Bauwirtschaft und Klimaschutz neu zu verbinden!“
Noch fehlen die Strukturen für den Markt
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Wenn auch technisch vieles möglich ist, fehlen bislang die Strukturen. „Der Bausektor verursacht rund 40 Prozent der globalen Emissionen, biobasierte Materialien spielen dennoch bislang kaum eine Rolle“, so Alexander Bieß. „Es fehlen Märkte, Wertschöpfungsketten und klare Rahmenbedingungen. Ein klassisches Henne-Ei-Problem. Dort setzt das Paludi Media Lab an: Als Schnittstelle zwischen Forschung, Anwendung und Kommunikation.“
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„Paludikultur ist für mich mehr als Landwirtschaft – sie ist ein Hebel, um Bauwirtschaft und Klimaschutz neu zu verbinden!“
Alexander Bieß
Im mitteldeutschen Revier werden wenige Moore wiedervernässt. Und hier sieht ‚Paludi-Alex‘ eine Chance: Die Region kann sich neu positionieren – nicht als Rohstoffquelle, sondern als Drehscheibe einer klimaneutralen Materialwirtschaft. Was früher für fossile Energie stand, kann heute Teil einer neuen Logik werden: Kohleausstieg trifft Kohlenstoffspeicherung. Die Biomasse stammt aus wiedervernässten Mooren und wird im Revier weiterverarbeitet: „Wir machen aus Landschaft Material – und aus Material Zukunft.“
Ohne Alexander Bieß fehlte der Hochschule Anhalt die Brücke zwischen Moor und Markt: der Überzeugungsmensch, der aus nassen Böden klimaneutrale Baustoffe und regionale Zukunft machen will.