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Von der Liebe zu Lebensmitteln

  • Eine Person mit lockigen, hellbraunen Haaren und Brille steht lächelnd in einer Küche. Sie trägt einen weißen Laborkittel und steht vor einem doppelten Backofen. © Hochschule Anhalt/Uwe Jacobshagen

Sie ist Foodie, hat sich aber auch schon immer für betriebswirtschaftliche Aspekte von Lebensmitteln interessiert. Jana Oehler gibt Einblick ins Masterstudium Food and Agribusiness am womöglich schönsten Campus Deutschlands.

Lebensmittel waren schon immer ihr Ding. Sie backt gerne, sie isst gerne, am liebsten gesundes Essen. Jana Oehler (23) interessiert sich allerdings nicht nur dafür, wie der Körper Lebensmittel verarbeitet, sondern auch für wirtschaftliche und gesellschaftliche Aspekte: Wie kann man mit Lebensmitteln Geld verdienen? Wie lassen sie sich schonend verarbeiten, damit sie gesund bleiben? Wie entstehen Essenstrends und wie gelingt cooles Marketing, das ohne Greenwashing auskommt? Damit hat sie sich im Masterstudium Food and Agribusiness an der Hochschule Anhalt beschäftigt. Jetzt kann sie ihr Know-how in der Praxis einbringen. Für ein Unternehmen aus Halle tüftelt sie unter anderem an der Erweiterung des Produktsortiments.

Es bietet mit gefriergetrockneten Früchten wie Erdbeeren oder Himbeeren Zutaten für Müslis, Smoothies und Co. Das Unternehmen will mit seinen Produkten einen Gegentrend zu raffinierten Lebensmitteln setzen, verzichtet also weitgehend auf Konservierungsstoffe, Farbstoffe und vor allem Zucker. Längst sind die Produkte kein Geheimtipp mehr, sie haben im Lebensmitteleinzelhandel die Regale erobert. Inzwischen sind sie auch Discounter erhältlich und Jana Oehler hat hautnah mitbekommen, was es für ein verhältnismäßig kleines Unternehmen bedeutet, wenn über gigantische Margen verhandelt wird. »Spannend, aber auch stressig!«, bringt sie es auf den Punkt.

»Das Studium ist international ausgerichtet ist, meine Mitstudierenden kamen aus der Ukraine, aus dem Iran, aus Indonesien und den Philippinen – das hat mir gut gefallen.«

Jana Oehler

Grüner Campus, inspirierende Lehrkräfte

Die Liebe zu Lebensmitteln in Kombination mit betriebswirtschaftlichen Fragen – diese beiden Faktoren gaben den Ausschlag für ihre Entscheidung, nach dem Abitur dual an der Berufsakademie in Dresden »Land- und Ernährungswirtschaft ‒ Lebensmittelmanagement« zu studieren. »Für mich war der Mix aus Theorie und Praxis super, auch fand ich es toll, Geld im Studium zu verdienen«, erzählt Jana. Fürs Masterstudium kam sie an die Hochschule Anhalt, an den vermutlich idyllischsten Campus Deutschlands.

Wo Ende des 19. Jahrhunderts die Herzoglich Anhaltische Versuchsstation zur Verbesserung des Rübenanbaus gegründet wurde und im 20. Jahrhundert die traumschönen Campus.Gärten Bernburg-Strenzfeld angelegt wurden, ist der grüne Fachbereich Landwirtschaft, Ökotrophologie und Landschaftsentwicklung zu Hause. »Dort kennt jeder jeden, es herrscht eine familiäre, freundliche Atmosphäre«, schwärmt Jana. »Das Studium ist international ausgerichtet ist, meine Mitstudierenden kamen aus der Ukraine, aus dem Iran, aus Indonesien und den Philippinen – das hat mir gut gefallen. Wir waren eine kleine Gruppe von knapp zwanzig Leuten, haben uns gegenseitig motiviert.« Denn ja, das Masterstudium sei durchaus anspruchsvoll gewesen. »Allerdings sind wir super von den Lehrkräften begleitet worden. Mich hat meine Professorin Elena Kashtanova begeistert – mir rauchte zwar manchmal der Kopf in den Seminaren, aber sie ist so überwältigend mit ihren Fachkenntnissen. Für viele und auch für mich ein inspirierendes Rollenvorbild.«

Aus der Kuschelecke in die weite Welt

So kuschelig es auch für Jana war, in Bernburg zu studieren, zog es sie doch hinaus in die Welt. Ein ERASMUS-Semester verbrachte sie im niederländischen 's-Hertogenbosch. Dort studierte sie an der HAS Green Academy, einer Hochschule mit einer Mission: Gesunde und nachhaltige Lebensmittel. »Es war schon ein Abenteuer, diesen Auslandaufenthalt zu organisieren«, schildert sie. Gemeinsam mit einer Kommilitonin aus Bernburg hat sie eine Wohnung in 's-Hertogenbosch gesucht. »Wir haben leider Lehrgeld bezahlen müssen, wir sind auf einen Scam hereingefallen, und als wir dann in einer richtigen Wohnung gelandet sind, fühlten wir uns allerdings nicht wirklich wohl. Zum Glück kamen wir dann bei Mitstudieren unter, in einer 16-Menschen-WG, was auch eine besondere Erfahrung war, an die ich super gerne zurückdenke.«

Für ihre Masterarbeit packte Jana erneut die Koffer. Sie hatte sich bei der Future of Food-Tagung, einer jährlichen Veranstaltung, die Studierende des Masterstudienganges Food and Agribusiness organisieren, bei Professor Marcus Marktanner über einen Aufenthalt in den USA informiert. Marktanner lehrt Wirtschaftswissenschaften und internationales Konfliktmanagement an der Kennesaw State University in den USA, engagiert sich aber auch in Indonesien, wo er Seminare zu Marktwirtschaft hält. Er empfahl ihr allerdings das wirtschaftliche und kulturelle Zentrum Indonesiens, die Metropole Jakarta. Sie informierte sich und fand Gefallen an der Idee, noch einmal ein neues kulturelles Umfeld in einer Mega-City zu entdecken. Ihre Masterarbeit im Bereich Food Security schrieb sie an der Universitas Prasetiya Mulya, unterstützt mit einem PROMOS-Stipendium. Auch an ihre Zeit in Südostasien denkt die 23-Jährige oft und gerne zurück: »Ich habe die Gesellschaft in Indonesien als sehr hilfsbereit und freundlich erlebt. Interessant fand ich auch, wie Traditionen ganz unaufgeregt im Alltag eine Rolle spielen. Ich konnte dabei sein, als ein neuer Professor berufen wurde – da gab es einen spektakulären Festakt, mit traditionellen Tänzen und Gamelan-Musik. Etwas Vergleichbares habe ich hier noch nicht so erlebt.«

Zurück aus der großen weiten Welt, machte Jana sich daran, einen guten Job in der Lebensmittelbranche zu finden. Gut heißt für sie, dass Produkte möglichst nicht hochverarbeitet sind, idealerweise ohne Zucker und Zusatzstoffe auskommen. »Leckeres kann auch gesund sein«, sagt sie. »Wir sind ein kleines Team, ich bin hier keine Nummer, wenn ich Fragen habe, klopfe ich einfach bei meinem Chef an die Tür – alles läuft unkompliziert und wertschätzend. Ich habe das Gefühl, hier kann ich etwas bewegen.«

  • Große Menschenmenge bei einem Fest © Hochschule Anhalt/Jana Oehler
  • Stadtpanorama mit Hochhäusern und Wolkenkratzern in Indonesien © Hochschule Anhalt/Jana Oehler
  • Weite, terrassenförmige Landschaft in Indonesien © Hochschule Anhalt/Jana Oehler
  • Dichte grüne Regenwaldlandschaft mit großen Farnen © Hochschule Anhalt/Jana Oehler
Kontakt

Bettina Kranhold

Redaktion

Katja Wallrafen

Die Bewerbungsphase für den Master Food and Agribusiness beginnt am 15. März.