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Waldmonitoring: Die Dürre trifft nicht jeden Wald gleich

  • Ein umgestürzter Baumstamm liegt im lichten Waldboden zwischen dichtem, grünem Laubwald mit hohem Baumbestand, umgeben von moosbedeckter Erde und herabgefallenem Geäst. © hochschule anhalt | Dorit Oelschläger
    Auch Laubwälder leiden unter der Dürre. Wie sollten Monitoring und Management aussehen?

Untersuchungen zum Waldmonitoring zeigen: Dürre trifft nicht jeden geschützten Waldtyp gleich stark. Das ist das zentrale Ergebnis einer Studie der Hochschule Anhalt in Zusammenarbeit mit der Technischen Universität München, die kürzlich im Fachjournal „Forest Ecology and Management" erschienen ist. Für die Klimaanpassung in Schutzgebieten liefert das eine wichtige Orientierung: Wo braucht es zuerst ein engeres Monitoring? Wo Managementmaßnahmen?

Was die Untersuchung zeigt

Die Forschenden verglichen sieben Waldtypen im sachsen-anhaltischen Teil des europäischen Schutzgebietsnetzes Natura 2000: zwei Buchenwälder, drei Eichenwälder, Auenwälder und hochmontane Fichtenwälder. Dazu glichen sie für 108 Waldbestände aktuelle Felderhebungen mit Daten aus der Zeit vor den Dürrejahren ab. Das Ergebnis fiel für alle Waldtypen ähnlich aus: Die Deckung der oberen Baumschicht ging zurück, gleichzeitig wuchs mehr junger Baumbestand nach, auch von den jeweiligen Hauptbaumarten.

Ergänzend werteten die Forschenden Satellitendaten des European Forest Condition Monitor der TU München aus. Für insgesamt 6595 Waldbestände schauten sie sich Daten aus den Jahren 2003 bis 2024 an. Sie basieren auf dem Vegetationsindex „NDVI“, der die Grünheit von Pflanzen aus Satellitenbildern ableitet. Auch hier zeigte sich ein klares Muster: Die Kronengrünheit sank in den Dürrejahren 2018 bis 2020 merklich und erholte sich bis 2024 wieder.

Unterschiedliche Reaktionen je Waldtyp

Der genaue Blick auf die einzelnen Waldtypen offenbart Unterschiede. Auenwälder und hochmontane Fichtenwälder reagierten am stärksten auf die Trockenheit. Buchen- und Eichenwälder zeigten dagegen moderatere Veränderungen. Ein besonderer Fokus lag auf geschützten Laubwaldtypen, denn die öffentliche Debatte um Walddürre konzentriert sich bislang meist auf großflächig absterbende Fichtenbestände. Dass auch Laubmischwälder betroffen sind -  wenn auch unterschiedlich stark – bleibt dabei oft unbeachtet.

Henrike Wild hat die Studie am Promotionszentrum Life Sciences der Hochschule Anhalt durchgeführt. Sie ordnet die Ergebnisse so ein: „Der integrierte Ansatz könnte künftig für eine bessere Überwachung der geschützten Waldlebensräume genutzt werden, um Schutz- und Managementstrategien abzuleiten und den Herausforderungen des Klimawandels zu begegnen“, so die Doktorandin, die an der Hochschule Anhalt von Prof. Dr. Annett Baasch betreut wird. 

Wie die Methode funktioniert – und dem Waldmonitoring hilft

Satellitendaten und Felderhebungen ergänzen sich in der Studie, ähnlich wie ein Blutbild beim Arztbesuch ein schnelles Gesamtbild liefert, während eine gezielte Untersuchung vor Ort die Detaildiagnose ergänzt. Die Satellitendaten decken große Flächen ab und lassen sich effizient über lange Zeiträume auswerten. Die Felderhebungen liefern dafür genauere Informationen zur Struktur einzelner Bestände, etwa zur Zusammensetzung der Baumarten und zur Verjüngung.

Beide Methoden zeigten in der Studie ähnliche Trends, stimmten aber nicht in jedem Detail überein. Die Forschenden betonen deshalb in ihrer Publikation, dass eine kritische Bewertung jeder einzelnen Methode weiterhin notwendig bleibt. Satellitendaten können demnach Felderhebungen unterstützen und ergänzen, aber nicht vollständig ersetzen.

Bedeutung für Naturschutz und Klimaanpassung

Für Kommunen und Naturschutzbehörden liefert der kombinierte Ansatz eine praktische Grundlage und hilft dabei, Prioritäten für die weitere Feldarbeit zu setzen und Managementmaßnahmen gezielter zu planen.

Die Autorinnen und Autoren weisen darauf hin, dass weitere Forschung nötig ist, um zu klären, wie gut sich der Ansatz auch für Waldtypen eignet, die auf kleinen Flächen vorkommen. Neben Henrike Wild waren an der Publikation Dr. Allan Buras von der TU München sowie Prof. Dr. Friederike Paetz und Prof. Dr. Annett Baasch von der Hochschule Anhalt als Co-Autor:innen beteiligt. Die aktuelle Studie bildet damit einen ersten Entwurf für ein übertragbares, satellitengestütztes Monitoringprotokoll für Waldlebensraumtypen in Natura-2000-Gebieten.

Links & Kontakte

Redaktion

Claudia Aldinger

Die Untersuchung ist vor kurzem im Fachjournal „Forest Ecology and Management" erschienen. Hier geht es zum Open Access Artikel: https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0378112726005608?via%3Dihub

 

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