Wie können seltene und gefährdete Pflanzenarten sowie wertvolle Trockenrasen-Lebensräume in Sachsen-Anhalt besser geschützt und erhalten werden? Dieser Frage widmet sich die Hochschule Anhalt mit dem neuen Projekt „ArtenWache: Gemeinsam schützen und bewahren – Monitoring seltener und gefährdeter Pflanzenarten & Mitmach-Pflegeaktionen zum Erhalt wertvoller Trockenrasen“. Heute überreichte Staatssekretär Thomas Wünsch vom Ministerium für Wissenschaft, Energie, Klimaschutz und Umwelt Sachsen-Anhalt auf dem Campus Bernburg den Fördermittelbescheid für das Vorhaben.
„Mit diesem Projekt setzen wir ein starkes Zeichen für den Schutz der biologischen Vielfalt in Sachsen-Anhalt“, betonte Staatssekretär Thomas Wünsch. Die Trockenrasen-Lebensräume, auf die sich das Vorhaben konzentriert, gehören zu den artenreichsten, aber auch zu den am stärksten gefährdeten Lebensräumen unseres Landes. Sie sind Heimat zahlreicher seltener und gefährdeter Pflanzenarten, für deren Erhalt wir eine besondere Verantwortung tragen. Gerade auch in Zeiten fortschreitenden Klimawandels bei uns im Lande.“
Mit dem Projekt „ArtenWache“ möchte die Hochschule Anhalt gemeinsam mit Bürgerinnen und Bürgern konkrete Maßnahmen umsetzen, die seltener Pflanzenarten sowie wertvolle Trockenrasen-Lebensräume schützen und fördern. Im Mittelpunkt stehen sogenannte ArtenWache-Mitmach-Aktionen. Geplant sind unter anderem Pflegetage zur Entbuschung und Mahd, Pflanztage zur Ausbringung junger Pflanzen sowie Maßnahmen zur Beweidung ausgewählter Flächen.
Darüber hinaus entwickeln und erproben die Projektbeteiligten artspezifische Monitoringkonzepte für mehrere ausgewählte Verantwortungsarten trockener und offener Lebensräume. Ziel ist es, seltene und gefährdete Pflanzenarten künftig noch gezielter zu erfassen, ihre Gefährdung besser zu bewerten und wirksame Schutzmaßnahmen abzuleiten.
Der Handlungsbedarf ist groß: Aktuelle Daten aus dem FFH-Monitoring weisen einen schlechten Erhaltungszustand für verschiedene Trockenrasen-Lebensräume aus. Hierzu zählen unter anderem naturnahe Kalk-Trockenrasen und subpannonische Steppen-Trockenrasen. Zu den aktuellen Gefährdungsfaktoren gehören die Unternutzung oder vollständige Nutzungsaufgabe auf diesen Flächen. Die Folgen sind Nährstoffanreicherung, Vergrasung und Verbuschung, wodurch sich der Zustand der Lebensräume weiter verschlechtert und ihre Fragmentierung zunimmt. Gleichzeitig geraten zahlreiche spezialisierte Pflanzenarten der Trockenrasen zunehmend unter Druck.
Professorin Annett Baasch sagte: „Die Zusammenarbeit mit der lokalen Bevölkerung ist uns ein besonderes Anliegen. Wir wollen uns austauschen und für ortsnahe Flächen gemeinsam Erhaltungsperspektiven erarbeiten.“
Zur Übergabe des Fördermittelbescheids begrüßten Professor Lothar Koppers, Vizepräsident für Studium, Lehre, Digitalisierung und Weiterbildung der Hochschule Anhalt, sowie Professorin Elena Kashtanova, Dekanin des Fachbereichs Landwirtschaft, Ökotrophologie und Landschaftsentwicklung, die Gäste. Anschließend stellte Projektleiterin Prof. Dr. Annett Baasch das Vorhaben und seine geplanten Aktivitäten vor.
Das Projekt startet am 1. Juli 2026 und wird mit rund 650.000 Euro gefördert. Es wird im Rahmen des deutschen Strategieplans zur Umsetzung der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) der Europäischen Union gefördert. Die Finanzierung erfolgt aus Mitteln des Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums (ELER) sowie des Landes Sachsen-Anhalt im Programm „Biodiversität, Schutzgebietssystem Natura 2000“.
Naturschutz und Landschaftsplanung an der Hochschule Anhalt studieren
Wer sich für den Schutz und die Entwicklung von Natur und Landschaft engagieren möchte, findet an der Hochschule Anhalt passende Studienangebote. Die Bachelor- und Masterstudiengänge Naturschutz und Landschaftsplanung vermitteln fundierte ökologische Kenntnisse und verbinden diese mit einem hohen Praxisanteil. Exkursionen, Projekte und Praktika bereiten die Studierenden gezielt auf Tätigkeiten in Naturschutzbehörden, Planungsbüros, Verbänden oder Forschungseinrichtungen vor.
Interessierte können sich noch bis zum 15. Juli 2026 für ein Studium im Wintersemester 2026/27 bewerben.
Weitere Informationen zu den Studiengängen gibt es unter: www.hs-anhalt.de/loel