Kirchen und Kaufhäuser präsentieren sich meist mit markanter Architektur an den besten Plätzen der Stadt. Doch was passiert, wenn ihr großes Versprechen nicht mehr trägt? Die Ausstellung „Gebrochene Verheißung – Kirchen und Kaufhäuser“ der Hochschule Anhalt widmet sich vom 29. März bis 12. Mai 2026 genau dieser Frage. Im ehemaligen Kaufhaus Zeeck, Kavalierstraße 72 in Dessau, zeigen eine Stipendiatin und drei Stipendiaten vom Fachbereich Architektur, Facility Management und Geoinformation künstlerisch-gestalterische Positionen, die innovative Perspektiven auf kirchliche und kommerzielle Bauten entwickeln. Ziel der Ausstellung ist es, Impulse für eine neue Wahrnehmung und Nutzung dieser prägenden öffentlichen Orte zu geben. Die Eröffnung findet am 29. März 2026 um 12 Uhr statt, zuvor wird um 11 Uhr eine Führung durch die gesamte Ausstellungsetage angeboten.
Ausstellungsort ist ein Gebäude in Dessau, das selbst für mehr als ein Jahrhundert Stadt- und Nutzungsgeschichte steht: 1908 als Kaufhaus Zeeck eröffnet, in den 1920er Jahren erweitert, nach dem Krieg wiederaufgebaut und in den 1970er Jahren zur „Magnet“-Filiale umgestaltet, erzählt es bis heute von wechselnden Hoffnungen und Bedürfnissen. Damit wird der Ort selbst zum zentralen Resonanzraum der Ausstellung.
Drei künstlerisch-gestalterische Positionen vereinen die vier Stipendiaten, die ihr Studium bereits erfolgreich abgeschlossen haben und erste berufliche Erfahrungen sammeln. Am Deutschen Forum Kirche und Kulturerbe, einem Forschungsschwerpunkt der Hochschule Anhalt, erhalten sie durch das Stipendium die Chance, in der Region Anhalt bestehende Räume neu zu betrachten und weiterzudenken. Die Künstlerin Karla Zipfel überträgt in ihrer Videoskulptur „TikTok Aesthetics“ populäre Social-Media-Formate auf Kirchen- und Kaufhausarchitektur und fragt nach neuen Formen der Vermittlung. Der Fotograf Louis Volkmann, bekannt für seine Auseinandersetzung mit Bauten der Ostmoderne, zeigt in „Dächer gleicher Ordnung“ zwei Andachtsräume und eine Kaufhalle der späten DDR-Zeit, die durch ein gemeinsames konstruktives Element verbunden sind. Mit ihren Modellaufbauten „+“ entwickeln die Architekten Marius Busch und Maximilian Hartinger Zukunftsszenarien für den ländlichen Raum. Ihre These: Es braucht neue Energien, um diese öffentlichen Orte wieder zu Mittelpunkten des Lebens zu machen.
Kuratiert wird die Ausstellung von Prof. Dr. Karin Berkemann von der Hochschule Anhalt. Gefördert wird das Projekt von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz.