Mit dem richtigen Wind unter den Flügeln zum Master im Maschinenbau
Interview mit unserem Studierenden Fang Pengyu
Hallo Herr Fang! Vielen Dank, dass Sie uns einen Einblick in Ihre Studienerfahrung am FB EMW erlauben. Können Sie sich bitte kurz vorstellen?
FP: Ich heiße Fang Pengyu, bin 26 Jahre alt und komme aus China. Derzeit studiere ich im 3. Semester Master Maschinenbau an der Hochschule Anhalt und arbeite gerade intensiv an meiner Masterarbeit. In meiner Abschlussarbeit beschäftige ich mich mit der Erregungsidentifikation durch Modalanalyse an Strukturen und führe dafür unter anderem Untersuchungen im Windkanal durch.
Was hat Sie ursprünglich dazu bewegt, Ihr Masterstudium im Maschinenbau hier in Sachsen-Anhalt zu absolvieren?
FP. Maschinenbau ist in Deutschland ein sehr starker und international anerkannter Studien- und Wirtschaftszweig, was mich von Anfang an überzeugt hat. Die Module an der Hochschule Anhalt sind für mich interessant und praxisnah, und das integrierte Studienkolleg hat mir geholfen, meine Sprachkenntnisse als wichtige Voraussetzung für das Studium gezielt zu verbessern.
Welche Module oder Inhalte im Masterstudium fanden Sie besonders gut oder hilfreich?
FP: Ich empfinde alle Module im Masterstudium irgendwo als hilfreich, da sie unterschiedliche, aber ergänzende Aspekte des Maschinenbaus abdecken. Besonders gefällt mir, wie Theorie und Anwendung hier miteinander verknüpft werden – das unterstützt mich nun auch direkt bei meiner Abschlussarbeit.
Was reizt Sie fachlich an Ihrem Abschlussarbeitsthema – warum haben Sie sich dafür entschieden?
FP: Mein Abschlussarbeitsthema – „Inverse Identifikation lokal wirkender stochastischer Erregungen an einem Balken mittels modaler Analysen“ – knüpft inhaltlich an meine Bachelorarbeit an, in der ich mich auch schon mit Eigenschwingungen von angeregten Systemen beschäftigt habe. Deshalb möchte ich die Methoden der Modalanalyse vertiefen und besser verstehen. Mich interessieren aerodynamische Fragestellungen, zum Beispiel Flügelversuche im Windkanal, weil sie zeigen, wie theoretische Modelle in der Praxis validiert werden.
Mein Forschungsinteresse gilt sowohl dem Anwendungsgebiet der Luftfahrt mit ihren spezifischen Herausforderungen (z. B. Flügel, Aeroelastik) als auch den physikalischen Ingenieurwissenschaften insgesamt. Langfristig möchte ich gerne im Bereich Aeroelastik forschen, idealerweise am DLR.
Können Sie uns noch etwas mehr über die Modalanalyse und deren Anwendung erzählen?
FP: Bei der Modalanalyse untersucht man, wie eine Struktur (z. B. ein Flügel oder Balken) auf dynamische Kräfte reagiert. Man identifiziert dabei die Eigenschwingungen des Systems – also die Frequenzen und Schwingungsformen, bei denen die Struktur besonders stark schwingt. Eine „angeregte Struktur" bedeutet, dass äußere Kräfte (z. B. Luftströmung, Vibrationen) die Struktur in Bewegung versetzen.
Für Flügel ist das besonders wichtig: Wenn die Anregungsfrequenz nahe an einer Eigenschwingung liegt, kann es zu unerwünschter Resonanz kommen – das muss man verstehen, um sichere und effiziente Konstruktionen zu entwickeln. Beispielsweise limitiert das die maximale Geschwindigkeit eines Flugzeugs.
Im Bereich der Aeroelastik, eines der Themen auf diesem Gebiet, betreiben wir in Kooperation mit Fa. DG Aviation Bruchsal, Fa. IFF E&C Leipzig und dem DLR Institut für Aeroleastik Göttingen, innovative Flugzeugforschung.
Aus meiner Sicht steht das durchaus in der Tradition, die in Köthen schon mit der so genannten FLUWIAC im Jahr 1923 begonnen wurde.
Wie sehen Sie Ihre beruflichen Möglichkeiten nach dem Abschluss? Haben Sie schon konkrete Pläne, hier in der Region zu bleiben oder woanders hinzugehen?
FP: Eine endgültige Entscheidung habe ich noch nicht getroffen, aber ich plane, mich nach dem Master für eine Promotion in Deutschland zu bewerben. Dabei möchte ich gerne an einer Einrichtung mit starker Forschungsorientierung arbeiten, um meine fachlichen Interessen weiter zu verfolgen.
Wenn Sie an Ihre Zukunft denken: Was sind Ihre größten Hoffnungen oder Wünsche für Ihr weiteres Leben und Arbeiten in Deutschland?
FP: Mein größter Wunsch ist kontinuierlich dazuzulernen und mich fachlich weiterzuentwickeln. Langfristig möchte ich eine gute Position in der Forschung oder Industrie finden, in der ich mein Wissen einbringen und gleichzeitig neue Herausforderungen meistern kann.
Vielen Dank für das Interview! Wir wünschen Ihnen viel Erfolg für Ihre Masterarbeit!
Prof. Dr. Klaus Günzel ist Betreuer von Fang Pengyus Masterthesis am FB EMW. Prof. Günzel, was bedeutet für Sie als Professor eine internationale Hochschule?
KG: Für mich heißt das ganz konkret: Wir bilden Fachkräfte aus der ganzen Welt aus – auf der Basis von Chancengleichheit, wissenschaftlicher Freiheit und gegenseitigem Respekt. Das ist nicht nur unser Selbstverständnis, sondern auch durch die Hochschulautonomie im Grundgesetz geschützt.”
Warum ist es wichtig, dass auch internationale Studierende wie Herr Fang hier studieren und forschen können?
KG: Unter anderem ist es auch Ausdruck dessen, dass gute Ausbildung und weltoffene Forschung zusammengehören. Jede Person, die hier ihr Potenzial entfalten kann, stärkt am Ende auch unsere Region – fachlich, kulturell und gesellschaftlich.
Interview vom 01. September 2026
Jana Wiebach