Der Hagebutte hat Hoffmann von Fallersleben schon 1843 mit dem Lied vom Männlein im Walde mit seinem purpurroten Mäntlein Beachtung geschenkt. Auch heute wird ihr immer noch viel Aufmerksamkeit zuteil.
Von der Hagebutte wird seit jeher die rote Schale verwendet, um daraus z.B. Marmeladen und Säfte herzustellen oder Tees zur Linderung von Erkältungs-, Grippe- oder Rheumabeschwerden.
Die unter dem purpurroten Mäntlein verborgenen Hagebuttenkerne stellten bisher zumeist ein Abfallprodukt dar. Dabei stecken auch in den Kernen wertvolle Inhaltsstoffe. Nach dem Abpressen des Hagebuttenkernöls (Verwendung in der Pharma- und Kosmetikindustrie) verbleiben faserige Feststoffe, der sogenannte Hagebuttenkernpresskuchen. Dieser ist reich an wertvollen Ballaststoffen. Da in Deutschland zu wenig Ballaststoffe mit der Nahrung aufgenommen werden (laut Deutscher Gesellschaft für Ernährung nur 18-25 g anstatt mindestens 30 g täglich), rückte der ballaststoffreiche Hagebuttenkernpresskuchen in den Fokus der Forschung des CFSE und der SanaBio GmbH Schönebeck.
Am 21.01.2026 wurden im Rahmen einer Verbraucherbefragung auf der 100. Grünen Woche in Berlin zwei Produktkreationen mit 6% Ballaststoff (Deklaration als „ballaststoffreich“) präsentiert.
Es sollte die Akzeptanz von Zartbitterschokolade und Mürbeteigkeksen herausgestellt werden, um für die Rezeptur- und Verfahrensoptimierung relevante Informationen zu gewinnen und für den Vertrieb des „ballaststoffreichen Hagebuttenmehls“ aus Hagebuttenkernpresskuchen wichtige Argumente für künftige Anwender zu generieren.
Es nahmen 155 Messebesuchende aller Altersgruppen an der Umfrage teil. Beide Produkte überzeugten mit ihrem durchweg sehr guten bis guten Aussehen, Geruch und Geschmack. Insgesamt kam der Mürbeteigkeks im Gesamteindruck mit 92% sehr guten bis guten Bewertungen etwas besser an als die Zartbitterschokolade mit 87%. Dies ist auf die bemängelte leichte Rauheit und den geringen Schmelz der Schokolade zurückzuführen. Daher gefiel diese im Mundgefühl nur mit 82% sehr guten bis guten Bewertungen, der Keks hingegen mit 90%. Empfohlen wird daher für künftige Endanwender, das Hagebuttenmehl schon während des Conchierens der Schokoladengrundmasse zufügen, um die benötigte Feinheit zu erzielen. Dennoch würden etwa 82% der Teilnehmenden die Zartbitterschokolade auch kaufen, ebenso wie 85% die Mürbeteigkekse.
Etwa zwei Drittel der Konsumierenden verwiesen darauf, dass sie beim Einkaufen die meisten Lebensmittel überwiegend danach auswählen, ob diese gesunde Inhaltsstoffe enthalten und ein Drittel achtet gelegentlich nur bei bestimmten Lebensmitteln wie Backwaren und Obst/Gemüse darauf.
Ein kleines Quiz zur Wirkung von Ballaststoffen machte deutlich, dass in der Breite der Bevölkerung nicht alle positiven gesundheitlichen Effekte bekannt sind. Als richtig erkannt wurden (Nennung in %): senken den Cholesterinspiegel (30%), stabilisieren den Blutzucker (38%), stärken die Darmflora (64%), senken das Darmkrebsrisiko (52%), stärken das Immunsystem (22%), fördern das Sättigungsgefühl (70%) und stärken das Herz-Kreislauf-System (16%). Dies veranschaulicht, dass noch viel Aufklärungsarbeit auch von Seiten der Lebensmittelindustrie notwendig ist, um die Bedeutung einer ballaststoffreichen Ernährung in das Allgemeinbewusstsein zu transferieren.
Der Einsatz von „ballaststoffreichem Hagebuttenmehl“ kann einen Beitrag leisten, der Nachfrage der Verbraucherinnen und Verbraucher nach gesunden Lebensmitteln durch eine größere Produktvielfalt nachzukommen und die Wertschöpfung für die Unternehmen bei der Verarbeitung von Hagebutten zu erhöhen.
Das Projekt wird im Förderzeitraum vom 01.03.2024 bis 31.12.2026 durch die Europäische Union und das Land Sachsen-Anhalt im Rahmen des Förderprogramms „Forschung und Entwicklung 2021–2027“ unterstützt. Kooperationspartner des Vorhabens ist die SanaBio GmbH.“