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Agri-Photovoltaik: Solarstrom vom Acker und was dafür nötig ist

  • Solarpanel-Anlage auf Metallgestellen, die über einem grünen, bewachsenen Feld mit Pflanzenreihen verläuft, kombiniert mit nachhaltiger Landwirtschaft und Biodiversität. Foto zeigt Demonstrator des Forschungszentrums Agri-Photovoltaik an der Hochschule Anhalt in Bernburg. © hochschule anhalt
    Das Forschungszentrum Agri-Photovoltaik versteht sich als Demonstrator.

Agri-Photovoltaik funktioniert. Was viele Betriebe, Kommunen und Energieunternehmen noch suchen, sind konkrete Antworten: Welche Aufständerung verträgt sich mit welchem Anbausystem? Wie verändert sich der Ernteertrag unter den Modulen? Und wie lässt sich Artenvielfalt von Anfang an einplanen – nicht als Randerscheinung, sondern als Teil des Anlagendesigns?

Das Forschungszentrum für Agri-Photovoltaik Sachsen-Anhalt der Hochschule Anhalt untersucht diese Fragen in drei Versuchsanlagen unter realen Feldbedingungen.

Drei Agri-PV-Anlagen, drei Ansätze

Die Anlagen unterscheiden sich in Aufständerung, Modultyp und Nutzungsform. Zwei davon verbinden Feldfruchtanbau mit Photovoltaik: In einer Anlage stehen die Module senkrecht, in einer anderen folgen sie dem Sonnenstand mittels eines Trackersystems. Beide Varianten werden hinsichtlich Pflanzenwuchs, Stromertrag und Entwicklung von Wildpflanzenbeständen unter den Modulreihen untersucht.

Die dritte Anlage gilt dem Grünland. Hier wird getestet, wie sich Beweidung und Photovoltaik in Form eines Trackersystems kombinieren lassen, und wie sich bewährte Renaturierungsmethoden unter diesen Bedingungen umsetzen lassen und der Artenvielfalt zugutekommen.

Wildpflanzen als Forschungsgegenstand

 „Mit Wildpflanzenmischungen lassen sich erfolgreich artenreiche Blühstrukturen entwickeln. Für die Verwendung in der Agri-PV muss sich die Auswahl der Arten jedoch zusätzlich am technischen Anlagendesign orientieren“, erklärt Dr. Sandra Dullau. 

Wildpflanzenmischungen sind im Forschungszentrum Teil des Versuchsdesigns. Untersucht wird, welche Pflanzenarten mit den veränderten mikroklimatischen und Lichtverhältnissen unter den Modulen zurechtkommen, und wie sich Bestäuberinsekten gezielt fördern lassen. Die Daten entstehen durch systematische Messung auf den Versuchsflächen.

„Die Wildpflanzenmischungen etablieren sich mit der Zeit zunehmend erfolgreich. Sie weisen im Vergleich zur Spontanbesiedlung und zur Gräsermischung eine deutlich höhere Anzahl an Blütenbesuchen durch Insekten auf und bilden wesentlich komplexere Bestäubernetzwerke aus“, so die Wissenschaftlerin. 

Die wirtschaftliche Seite

Photovoltaik-Module werfen Schatten und verursachen unterschiedliche Feuchtebedingungen und können dadurch den Pflanzenwuchs beeinflussen. Wie stark diese Effekte ausfallen, hängt von Kulturpflanze, PV-Modul- und Anlagengeometrie, Standort sowie Jahreswitterung ab. Erste Ergebnisse aus dem Projekt zeigen, dass die Ertragseinbußen durch die parallel erzeugte Strommenge wirtschaftlich mehr als ausgeglichen werden können.

„Bei den bisher untersuchten drei Kulturen gab es in den direkten Schattenbereichen Ertragsminderungen zwischen 5 und 15 Prozent“, sagt Sebastian Dittmann. Bezogen auf die Gesamtfläche und vor allem unter Beachtung der durch die Aufständerung der PV-Module nicht für den Ackerbau nutzbaren Fläche reduziert sich das wirtschaftliche Ergebnis aus der landwirtschaftlichen Nutzung um 200 bis 300 Euro je Hektar. Aktuelle Studien zeigen aber, dass mit solchen Anlagen Ergebnisse von bis zu 4800 Euro je Hektar aus der Stromproduktion erzielt werden. „Landwirte können mittels des erzeugten Stroms, bis zu 230 MWh/ha, eine kontinuierliche Einnahme erzielen und werden damit resilienter bei zunehmender Klimaerwärmung“, so Sebastian Dittmann weiter. 

Die landwirtschaftliche Produktion bleibt dabei der Ausgangspunkt. Wirtschaftlichkeit und Ökosystemleistungen sollen sich gegenseitig stützen, das ist der Anspruch des Projekts.

Grundlagen für Entscheidungen

 „Die ambitionierten Ausbauziele der Politik lassen sich nur ohne gesellschaftliche Konflikte erreichen, wenn wir Flächen dreifach denken. Die Ergebnisse unserer Forschung nehmen der Debatte um die 'Teller-oder-Tank'-Frage den Wind aus den Segeln und bieten konkrete Leitplanken für die Gesetzgebung für eine nachhaltige Agri-PV“, blickt Prof. Dr. Dieter Orzessek auf den Gesamtkontext. 

Agri-PV wird in den nächsten Jahren an Fläche gewinnen. Für Betriebe, Planer:innen und Behörden wird es darauf ankommen, diese Entwicklung mit belastbaren Daten zu gestalten. Das Forschungszentrum der Hochschule Anhalt liefert einen Teil davon und wird dafür durch die Europäische Union und das Land Sachsen-Anhalt bis 2027 gefördert. 

Zum Anfassen

Das Forschungszentrum Agri-Photovoltaik versteht sich als Demonstrator: Konzepte müssen sich unter realen Bedingungen bewähren. Betriebe, Planungsbüros und Behörden können die Versuchsanlagen im Rahmen von Exkursionen besichtigen, zum Beispiel auf den DLG-Feldtagen vom 16. bis 18. Juni 2026 in Bernburg. Hier stellt das Team aktuelle Ergebnisse vor: https://www.hs-anhalt.de/hochschule-anhalt/aktuelles/fachmessen/dlg-feldtage.html

Am 11. Juni wurde das Vorhaben beim Hugo-Junkers-Preis geehrt. Es war für den Sonderpreis „Innovativste Vorhaben und Projekte zur Anpassung an den Klimawandel" nominiert und schaffte es unter die besten fünf Projekte. 

Mehr zum Forschungszentrum für Agri-Photovoltaik Sachsen-Anhalt: https://www.hs-anhalt.de/projekte/projekt/forschungszentrum-fuer-agri-photovoltaik-sachsen-anhalt-prof-dr-sabine-tischew.html

Redaktion

Claudia Aldinger

Auf den DLG-Feldtagen vom 16. bis 18. Juni 2026 in Bernburg stellt die Hochschule Anhalt auf der Landespräsentation Sachsen-Anhalt aktuelle Ergebnisse aus dem Forschungszentrum Agri-Photovoltaik vor: https://www.hs-anhalt.de/hochschule-anhalt/aktuelles/fachmessen/dlg-feldtage.html

 

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