Das weltweit wichtigste Technologieereignis.
Die Hannover Messe 2026 findet vom 20. – 24. April statt.
In gewohnter Weise präsentiert sich die Hochschule Anhalt gemeinsam mit der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, der Hochschule Magdeburg-Stendal und der Hochschule Harz sowie den Thüringer Hochschulen und Universitäten auf dem Gemeinschaftsstand FORSCHUNG FÜR DIE ZUKUNFT in Halle 11/ Stand B42 mit den nachfolgenden Themen:
Themen
© HS Anhalt/FB AFG/AG Prof. Pause
Unsichtbares sichtbar machen: Multispektrale 3D-Erfassung
Der Bedarf
Die Folgen des Klimawandels und der steigende Bedarf an belastbaren Geo-Informationsprodukten machen räumlich hochauflösende, flexibel planbare Messflüge für die Bereiche Landwirtschaft, Forst, Gewässer und urbane Räume erforderlich. Satellitendaten liefern zwar regelmäßige Zeitreihen, sind für lokale Fragestellungen jedoch oft zu grob aufgelöst und zeitlich wenig steuerbar (z. B. im Katastrophenfall). Drohnen eignen sich aufgrund ihrer Reichweite und der geltenden Regularien in der Regel nicht für großräumige Kampagnen. Hyperspektrale Systeme sind hingegen häufig mit hohen Kosten verbunden und erfordern einen hohen Aufwand für Auswertung und Analyse. In der Praxis besteht daher ein Bedarf an robusten, anwendungsspezifisch konfigurierbaren Multispektraldaten, welche die Lücke zwischen Satelliten-Monitoring und in-situ-Beobachtungen schließen – inklusive eines anwenderfreundlichen Workflows für Luftbildfirmen, Vermessungs- und Umweltbehörden sowie Dienstleister.
Präzises 3D-Umweltmonitoring
Die Airborne Multispectral Camera AMC-6 ist ein flugzeuggestütztes Stand-alone-Messsystem und kann gezielt Airborne-Laserscanning ergänzen. Sechs Kameras (1× RGB, 5× monochrom, 31,4 MP, Global Shutter) sind über austauschbare Filterplatten und Schmal-/Breitbandinterferenzfilter anwendungsorientiert anpassbar (350–950 nm). Bei einer Flughöhe von 1000 m wird eine GSD von ca. 10 cm/pix erreicht. Flexible Filtersätze unterstützen Waldzustand, Precision Farming, Gewässerqualität und 3D-Stadtmodelle im hochdetaillierten Einsatz. Sie liefert georeferenzierte Multispektral-Orthophotos, Stacks und Indizes (NDVI/SAVI/CIR) für 3D-Produkte, Kartierung, Klassifikationen sowie ML/DL-Analysen in Stadt, Forst, Landwirtschaft und Gewässeranwendungen.
Weitere Informationen zum Projekt
Kontakt:
© HS Anhalt/FB Design/AG Prof. Kretzer
Problemstellung
Der Schwerpunkt der Studie liegt auf der Erforschung und Etablierung von zu 100% biologisch basierten und potenziell biologisch abbaubaren Naturfaserverbundwerkstoffen auf der Basis des Biopolymers Lignin. Ziel ist es, die Materialien für den Einsatz neuer Technologien wie der additiven Fertigung (3D-Druck) bereitzustellen, um erdölbasierte Kunststoffe in geeigneten Bereichen zu ersetzen. Für die Forschung wird ein robotisch gesteuerter FGF-3D-Drucker benutzt.
Ergebnisse, Checkpoints, nächste Schritte
Auf Basis von Lignin werden 100 % biobasierte, potenziell biologisch abbaubare Naturfaserverbunde für den FGF-3D-Druck entwickelt. Das Komposit ist bereits druckfähig; aktuelle Formulierungen enthalten ca. 50–60 % Lignin. In Testserien werden Plastifizierer, Faserart/-länge, Vernetzergehalt und Fließmittel variiert. Die thermischen Übergänge und Prozessfenster werden per DSC erfasst; REM-Analysen prüfen die Einbettung der Fasern in die Polymermatrix. Erste mechanische Ergebnisse (teilweise Zugversuche) liegen vor; aktuell erfolgt die Bestimmung der Druck-/Kompressionseigenschaften. Nächste Checkpoints: (1) Design- und Anwendungsszenarien mit FGF-Druck, (2) Desintegrationstests und Untersuchungen zur biologischen Abbaubarkeit, (3) Drei-Punkt-Biegeversuche, (4) erweiterte Faservariationen. Ziel ist ein skalierbares, erdölfreies Materialsystem als Alternative zu konventionellen Kunststoffen.
Kontakt
© HS Anhalt/FB Design/AG Prof. Kretzer
Problemstellung
Die Myzel Bike Box ist eine modular aufgebaute Transportbox aus Myzel – dem Wurzelgeflecht von Pilzen – kombiniert mit einem leichten PLA-Rahmen. Sie steht exemplarisch für die Symbiose aus nachhaltiger Materialforschung und funktionalem Design im urbanen Kontext. Gewachsen statt produziert, ist die Box biologisch abbaubar, wasserabweisend beschichtet und durch den Rahmen stabilisiert. Ihr modularer Aufbau ermöglicht Reparatur, Austausch und vollständiges Recycling. Entwickelt für Lastenräder, verbindet die MycoBox ökologische Verantwortung mit ästhetischer Innovation.
Ergebnisse, Checkpoints, nächste Schritte
Die bisherigen Ergebnisse der Myzel Bike Box zeigen deutliche Fortschritte in der Material- und Prozessentwicklung. Durch das Einwachsen von Fasern und strukturellen Verstärkungen konnte die Stabilität der Myzelplatten signifikant verbessert werden. Eine wasserabweisende Beschichtung sorgt zudem für erhöhte Witterungsbeständigkeit und erweitert das Einsatzspektrum im urbanen Raum. Parallel wurde an der Optimierung der Wachstumsbedingungen gearbeitet, um den Herstellungsprozess effizienter und skalierbarer zu gestalten.
Der aktuelle Prototyp einer funktionsfähigen Bike Box zeigt sowohl die technische Machbarkeit als auch das gestalterische Potenzial des Konzepts.
In den nächsten Schritten steht die weitere Optimierung des Materials im Fokus, insbesondere im Hinblick auf
Belastbarkeit, Feuchtebeständigkeit und Gewicht, um die Anwendung im Radlogistiksektor weiter voranzutreiben. Dabei soll das gesetzte Ziel der biologischen Abbaubarkeit der Module weiterhin im Fokus stehen.
Kontakt:
© Ali Etemadiesfarjani /Prof. Manuel Kretzer
Smarte Materialien: 4D-Druck und intelligente Schnittstellen
Das Forschungsprojekt Autonome Materialien untersucht wie dynamische und smarte Materialien mit formveränderlichen Eigenschaften zur Entwicklung intuitiver, multi-sensorischer Interaktionen eingesetzt werden können. Im Fokus stehen funktionale Oberflächen, realisiert durch großformatigen 3D-Druck auf Textilien, die durch integrierte Sensorik und Aktorik als taktile Schnittstellen zwischen Mensch und technischem System fungieren. Neu ist dabei der Ansatz, Material und Physical Human-Machine Interfaces (PHMI) als ganzheitlichen Verbundstoff zu denken, zu gestalten und herzustellen. Durch die interdisziplinäre Verbindung von Materialdesign, digitaler Fertigung und interaktiven Materialeigenschaften entstehen großvolumige Materialsysteme, die auf Umweltreize und menschliche Eingaben reagieren und Licht, Form, Temperatur und Bewegung kombinieren und im Anwendungskontext z.B. die wahrgenommene Sicherheit, Vertrauen oder emotionale Bindung unterstützen.
Ergebnisse, Checkpoints, nächste Schritte
Im Projekt entstehen systematische Studien zu formveränderlichen, 3D-gedruckten Textilien mit Fokus auf Soft-Robotik-Strukturen und 4D-Druck. Dabei werden Geometrie, Materialkombinationen und Druckstrategien gezielt für stimuli- bzw. zeitabhängige Formänderungen entwickelt. Die Ergebnisse fließen in eine strukturierte Materialbibliothek, dokumentierte Versuchsreihen sowie 1:1-Demonstratoren, die unterschiedliche Aktivierungsprinzipien – pneumatisch, thermisch oder mechanisch – exemplarisch zeigen und als Grundlage für weiterführende Forschung und industrielle Kooperationen dienen.
Detaillierte Informationen zum Projekt
Kontakt:
© Paulina Schröder
Von Daten zu Design in großformatiger additiver Fertigung
Im Rahmen des New European Bauhaus (NEB) untersucht dieses Forschungsprojekt die großtechnische additive Fertigung mittels Fused Granular Fabrication (FGF) zur Herstellung parametrisch gestalteter, strukturell optimierter Möbel. Der Stuhl TectoMorph aus einem biobasierten PLA-Zellulose-Verbundwerkstoff veranschaulicht, wie agentenbasierte Modellierung und FEM-Analyse virtuelle Agenten dazu anleiten, Kraftpfaden zu folgen und „tektonische Vorsprünge“ zu bilden, die tragende Bereiche verstärken. Der Tisch „Weavium” untersucht eine verzweigte, selbsttragende Gittersäule und konzentriert sich dabei darauf, wie durch kontrollierte Werkzeugwegmanipulation innerhalb der FGF strukturell aktive Oberflächenartikulation im Maßstab von Möbeln erzeugt werden kann. Darüber hinaus untersucht das Projekt auch fortschrittliche Drucktechniken und nachhaltige Verbundsysteme und erweitert damit die Möglichkeiten des digitalen Handwerks, das Ressourceneffizienz, strukturelle Leistungsfähigkeit und ästhetische Innovation in Einklang bringt.
Ergebnisse, Checkpoints, nächste Schritte
Diese Studie zeigt das Potenzial großformatiger additiver Fertigung mit biobasierten und recycelten Materialien für parametrisch optimierte Möbel. Nächste Schritte konzentrieren sich auf hybride und non-planare Druckverfahren, um Ressourceneffizienz, strukturelle Leistung und gestalterische Vielfalt weiter zu steigern und nachhaltige Designprozesse zu fördern.
Detaillierte Informationen zum Projekt
Kontakt:
© Benjamin Kemper
Problemstellung
In der Forschung „Bio Formwork“ wird der Einsatz von thermoplastischer Stärke (TPS) für nicht standardisierte, einmal verwendbare Betonschalungen in der Architektur untersucht. Zu sehen sind zwei Prototypen: (a) eine robotisch gedruckte Schalung aus reinem TPS, sowie (b) ein daraus gegossenes Bauteil aus ultrahochfestem Faserbeton (UHPFRC). Die Studie untersucht das Potenzial von TPS als nachhaltiges Schalungsmaterial im digitalen Bauwesen.
Ergebnisse
Die Ergebnisse zeigen, dass Stärke als Biopolymer durch die Einwirkung von Hitze und mechanischem Rühren sowie durch die Zugabe von Bioplastifizierern und Lösungsmitteln in kompostierbares TPS umgewandelt werden kann. Durch eine anschließende mechanische Nachbehandlung lässt sich das Material in Pelletform überführen. Diese Pellets können mit dem Druckverfahren Fused Granular Fabrication (FGF) durch Zuführen von Hitze und Druck zu komplexen dreidimensionalen Objekten verarbeitet werden.
Kontakt:
Prof. Dr. Manuel Kretzer
Benjamin Kemper
© Hochschule Anhalt / Sebastian Gersch
CAx + Metall-3D-Druck: Ersatzteile on demand.
Wenn Lieferketten reißen oder Komponenten abgekündigt werden, wird ein fehlendes Teil schnell zum Stillstandsrisiko. Im Projekt "Mechanisches Obsoleszenzmanagement" entwickelt die Hochschule Anhalt CAx-basierte Prozesse, um mechanische Ersatzteile wirtschaftlich, reproduzierbar und genau zum Bedarf herzustellen.Wir kombinieren digitale Konstruktion, Simulation und Datenaufbereitung mit moderner Fertigung - insbesondere metallischem 3D-Druck für eine werkzeuglose, flexible Produktion. Ergänzend setzen wir elektrochemische Verfahren zur gezielten Oberflächenbearbeitung ein, um Maßhaltigkeit, Oberflächenqualität und Verschleißfestigkeit zu verbessern.Demonstrator ist ein Zylinderkopf eines 6-Zylinder-Dieselmotors: Nachbildung, Optimierung und additive Fertigung werden so ausgelegt, dass Geometrie, Kühlkanäle, Materialverteilung und Festigkeit gezielt angepasst werden können. Das Bauteil wird im Wissenschaftlich-Technischen Zentrum für Motoren- und Maschinenforschung (WTZ) im Rahmen der Prototypenfertigung eines Wasserstoffmotors erprobt - mit dem Ziel, neue Einsatzmöglichkeiten zu erschließen und Lebensdauer sowie Performance zu steigern.
Kontakt:
Prof. Dr. Jörg Bagdahn
Sebastian Gersch