Forschung

Partizipationsmanager

partiMAN – der Partizipationsmanager zur kollaborativen Entscheidungsfindung

Ziele und Inhalte des Projektes

Die aktive Beteiligung in Planungsprozessen zur rechtssicheren Realisierung und zur Akzeptanzerhöhung von Vorhaben in Raum- und Bauleitplanung, Hochwasserschutz, im Rahmen der Energiewende oder allen Formen der informellen Planung gewinnt zunehmend an Bedeutung.
Dazu wurde in der Vergangenheit eine Reihe von Online-Beteiligungswerkzeugen im Rahmen von E-Government-Initiativen entwickelt. In der Regel orientieren sie sich an standardisierten Planungsverfahren, wie beispielsweise in der Bauleitplanung. Zukünftig wird die aktive Beteiligung und Kommunikation zwischen Planern, Entscheidern und Betroffenen aber weiter an Bedeutung gewinnen. Die einseitige Kommunikationsrichtung Planer > Betroffener > Entscheider muss in eine aktive, kollaborative Kommunikation, die iterativ in den Planungs- und Entscheidungsprozess eingebunden ist, weiterentwickelt werden. Beteiligte sind zukünftig nicht mehr als Zielgruppe, sondern als Gesprächspartner in den Prozess zu integrieren.

Dabei wird web-basierten Informationstechnologien mit der Integration sozialer Netzwerke sowie standardisierter GIS-basierter Analysefunktionen eine hohe Bedeutung beigemessen. Hierzu wird ein WebGIS-basiertes modular aufgebautes System entwickelt, das nutzerbasiert auf alle Formen der Online-Beteiligung individuell konfiguriert werden kann. Über eine rechtebasierte Verwaltung der Inhalte sowie eine intelligente assistentenbasierte Analyse der Einwendungen sollen Planungsverfahren beschleunigt und die Akzeptanz erhöht werden.

Hochschule Anhalt
Fachbereich 1 – Landwirtschaft, Ökotrophologie und Landschaftsentwicklung
Fachbereich 5 – Informatik und Sprachen
KAT-Kompetenzzentrum: "Digitales Planen und Gestalten" der HS Anhalt
Professor Hellriegel Institut e.V.

GfI - Gesellschaft für Informationstechnologie mbH

Otto-von Guericke Universität Fakultät für Informatik
Arbeitsgruppe Data and Knowledge Engineering

© Fachbereich Informatik und Sprachen - Forschungsprojekte
  • L. Schütz, K. Bade, S. Raabe, M. Pietsch, A. Nürnberger und A. Richter, „Intelligente Analyse von Beteiligungsdaten im Projekt partiMAN“, in Technologische Trends im Spannungsfeld von Beteiligung – Entscheidung – Planung, Aachen, Shaker Verlag GmbH, 2017, pp. 19–28.
  • L. Schütz, S. Raabe, K. Bade und M. Pietsch, „Using Visual Analytics for Decision Making“, in JoDLA – Journal of Digital Landscape Architecture, Berlin/Offenbach, Herbert Wichmann Verlag, VDE Verlag GmbH, 2017, pp. 94–101.
  • D. Helbig, M. Pietsch, L. Schütz, K. Bade, A. Richter und A. Nürnberger, „Online Beteiligung in Entscheidungs- und Planungsprozessen – Anforderungen aus der Praxis“, in AGIT – Journal für Angewandte Geoinformatik, Berlin/Offenbach, Herbert Wichmann Verlag, VDE VERLAG GMBH, 2016, pp. 508–517.
  • L. Schütz, D. Helbig, K. Bade und M. Pietsch, „Interaction with Interconnected Data in Participatory Processes“, in REAL CORP – SMART ME UP! How to become and how to stay a Smart City, and does this improve quality of life? Proceedings of 21st International Conference on Urban Planning, Regional Development and Information Society, Vienna, 2016, pp. 401–410.
  • L. Schütz, D. Helbig, K. Bade, M. Pietsch, A. Richter und A. Nürnberger, „Projekt partiMAN: Neue Ansätze zur aktiven Partizipation in Planungsverfahren“, in Beteiligen - Kommunizieren - Partizipieren, Aachen, Shaker Verlag GmbH, 2015, pp. 72–88.

Um die bisherigen Defizite der Beteiligung und Kommunikation in Planungsverfahren zu beseitigen, soll im Rahmen des Projektes der Prototyp für eine neuartige Beteiligungsplattform entwickelt werden, in der alle Beteiligten interaktiv am Planungsverfahren zusammenarbeiten können. Unter Verwendung derzeit verfügbarer technischer und fachlicher Standards ist eine interoperable, plattformunabhängige Kommunikation sicher zu stellen. Die für das Vorhaben relevanten Informationen werden unter Verwendung von OGCStandards (WMS, WFS) oder objektorientierter Austauschformate (z.B. XPlanung) bereitgestellt. Sollten entsprechende technische oder fachliche Normen oder Standards fehlen, sind geeignete Lösungen unter Beachtung bundesweiter Standardisierungsinitiativen zu entwickeln. Datenschutz und IT-Sicherheit sind durch entsprechende Rechtekonzepte zu gewährleisten. Funktionen, die eine aktive Mitwirkung innerhalb des Planungs- und Entscheidungsprozesses ermöglichen, die über die bisherigen Markierungs- und textlichen Kommentarfunktionen hinausgehen, sind zu entwickeln und webbasiert bereitzustellen. Die verbesserte Integration der Bürgerbeteiligung steht dabei im Vordergrund.


Durch das zu entwickelnde kollaborative System wird der frühzeitige Dialog aller Akteure untereinander ermöglicht. Die Möglichkeit der Reaktion auf Hinweise und Einwendungen Dritter im Verfahren ist zu prüfen und technische Möglichkeiten zu deren Realisierung zu schaffen. So entsteht bereits während der Planungsphase eine reichhaltige und vernetzte Informationsstruktur, die die ursprünglichen Planungsunterlagen ergänzt und über die bisherige Praxis der Bürgerbeteiligung hinausgeht. Die Visualisierung von und Interaktion mit solchen Informationsnetzen ist ein aktuelles Forschungsgebiet. Im Projekt werden entsprechende Methoden untersucht und entwickelt, durch die Querbezüge nicht nur untereinander sondern auch zu den ursprünglichen Planungsunterlagen hergestellt werden können.


Ziel ist dabei insbesondere eine echt kollaborative Planung und die vereinfachte Bearbeitung von Einwendungen und Anregungen. Da gerade bei Großprojekten mit einer Vielzahl an Einwendungen zu rechnen ist, die bisher aufwändig händisch ausgewertet und bearbeitet werden müssen, sollen im Projekt intelligente Textanalyseverfahren genutzt werden, die den Bearbeiter geeignet unterstützen, z.B. durch Zusammenfassen gleicher bzw. ähnlicher Stellungnahmen. Das im kollaborativen System entstandene Informationsnetz liefert zusätzliche Informationen für den Zusammenhang zwischen einzelnen Einwendungen und fließt in die Verfahren mit ein. In Kombination mit geeigneten Visualisierungen und entsprechenden Interaktionsmechanismen ergibt sich eine semi-automatische Unterstützung des Auswertungsprozesses, durch den die Bearbeitungszeit erheblich verkürzt werden kann. Hierzu bieten sich insbesondere Verfahren aus dem Gebiet der Visual Analytics an, in denen interaktive Visualisierung auf der einen und Verfahren der Datenanalyse (Data Mining) auf der anderen Seite kombiniert werden. Je nach Art der Daten (Textdaten, Geodaten, zeitliche Daten, Metadaten, Hierarchien, Graphen/Netze etc.) sind verschiedene Visualisierungs- und Analyseverfahren sinnvoll. Im nachfolgenden Schritt können die Visualisierungen dann auch für die Rück-Kommunikation des Planungsergebnisses zum Bürger genutzt werden.

Der zu entwickelnde Prototyp wird als webbasierte Serveranwendung konzipiert. Dies ermöglicht die Nutzung über einen Webbrowser, so dass keine Software durch die Nutzer installiert werden muss. Eine Administrationskomponente ermöglicht den Zugriff für die verschiedenen Akteure und Nutzergruppen durch Unterstützung der vollständigen Moderation des Prozesses, des Datenschutzes und – sicherheit sowie der Dokumentation des Verfahrens. Darüber hinaus ist zu erwarten, dass Nutzer auch verstärkt im mobilen Kontext auf das System zugreifen möchten. So können etwa bei einer Vorortbegehung direkt über Smartphone oder Tablet Informationen im System hinterlegt werden. Bei der Interfacegestaltung muss daher darauf geachtet werden, dass nicht nur große PC-Monitore sondern auch die kleinen Displays mobiler Endgeräte unterstützt werden. Außerdem soll geprüft werden, in wieweit die zusätzlichen Möglichkeiten mobiler Endgeräte (wie z.B. Fotos aufnehmen über die Kamera oder Auswerten von Sensoren wie GPS-Daten) direkt durch das System genutzt werden können, um z.B. das Einreichung von Einwendungen einfacher und anschaulicher zu machen.