Methoden
Das Projekt folgte einem sequenziellen Mixed-Methods-Ansatz, bei dem die fünf Teilbereiche inhaltlich und methodisch aufeinander aufbauten. Zunächst wurde auf Grundlage wissenschaftlicher Literatur ein Kriterienkatalog als Soll-Zustand einer adäquaten primärpräventiven Ernährungsberatung entwickelt. Anschließend wurde der Ist-Zustand durch eine Curriculaanalyse, qualitative Interviews, eine quantitative Onlinebefragung und die Analyse von Beratungsmaterialien untersucht. Die Ergebnisse wurden in einem Soll-Ist-Vergleich zusammengeführt, um berufsgruppenspezifische Lücken zu identifizieren. Darauf aufbauend wurden geeignete Maßnahmen abgeleitet und durch Expert:innen sowie Angehörige der Zielgruppen hinsichtlich ihrer Wichtigkeit und Umsetzbarkeit bewertet.
Die Untersuchungen bezogen Kinder- und Jugendärzt:innen, Pflegefachkräfte, Medizinische Fachangestellte, Hebammen beziehungsweise Geburtshelfer:innen sowie Stillberater:innen ein.
Informationen zu den Projektschritten
Der Teilbereich 0 widmet sich der Erstellung einer theoretischen Basis. Die Ziele sind eine Spezifizierung der für das Projekt relevanten Zielgruppe sowie der Entwurf eines Kriterienkatalogs.
Das Projekt analysiert die Ernährungsbildung in verschiedenen medizinischen Berufsgruppen des Kinder- und Jugendbereichs. Die Zielgruppe ist heterogen aufgestellt, daher muss eine Definition nach Qualifikation, Wirkungsort und -rahmen und anderen relevanten Faktoren erfolgen. Eine theoretische Basis wird konstruiert, die als Grundlage für die Entwurfsfassung eines Kriterienkatalogs dient. Auf dieser Basis werden Kriterien bewertet und messbare Zielgrößen abgeleitet.
In Teilbereich 1 wurde untersucht, in welchem Umfang ernährungsbezogene Inhalte, Kommunikations- und Beratungskompetenzen in bestehenden Aus-, Fort- und Weiterbildungsangeboten der relevanten Berufsgruppen verankert sind. Hierzu erfolgte von Juni bis August 2023 eine deutschlandweite Onlinerecherche nach anerkannten Bildungsangeboten für Kinder- und Jugendärzt:innen, Pflegefachkräfte, Medizinische Fachangestellte, Hebammen und Stillberater:innen.
Die relevanten Curricula wurden mittels qualitativer Inhaltsanalyse in Anlehnung an Mayring ausgewertet. Der in Teilbereich 0 entwickelte Kriterienkatalog wurde dazu in ein deduktives Codesystem überführt und während der Analyse um zusätzliche, aus dem Material abgeleitete Codes ergänzt. Neben den ernährungsbezogenen Inhalten wurden auch Lehrformate und zeitliche Umfänge erfasst. Auf diese Weise entstand ein berufsgruppen- und bildungsstufenbezogener Überblick über die curriculare Abbildung der relevanten Kompetenzen.
Teilbereich 2 diente der empirischen Untersuchung des Ernährungswissens, der Kommunikations- und Beratungskompetenz, der beruflichen Beratungspraxis sowie der beeinflussenden Rahmenbedingungen. Hierzu wurden zunächst 60 leitfadengestützte Interviews mit Angehörigen der relevanten Berufsgruppen durchgeführt. Die Gespräche erfassten Erfahrungen, Einschätzungen, Bildungswege, verwendete Beratungsmethoden, Materialien und strukturelle Bedingungen. Sie wurden aufgezeichnet, transkribiert und qualitativ inhaltsanalytisch ausgewertet.
Auf Grundlage der Interviewergebnisse wurde von August 2024 bis August 2025 eine quantitative Onlinebefragung durchgeführt. Von 620 begonnenen Befragungen konnten 446 Teilnehmende in die Analyse eingeschlossen werden. Erhoben wurden unter anderem Einstellungen zu Ernährung und Ernährungsberatung, Beratungsanlässe und -hürden, die Selbsteinschätzung von Ernährungswissen und Beratungskompetenz, Wege des Kompetenzerwerbs sowie Erfahrungen mit Fort- und Weiterbildungen. Ergänzend wurden Fachfragen und Fallbeispiele eingesetzt, um das fachliche Vorgehen zu untersuchen.
Darüber hinaus wurden im Zusammenhang mit den Interviews insgesamt 48 Beratungs- und Informationsmaterialien gesammelt. Nach der Bereinigung um Dubletten und nicht schriftliche Formate wurden 33 Dokumente mithilfe einer angepassten MAPPinfo-Checkliste hinsichtlich ihrer Qualität bewertet. Zehn Materialien mit pädiatrischem und primärpräventivem Ernährungsbezug wurden zusätzlich qualitativ auf fachliche Inhalte, Handlungsorientierung, zielgruppengerechte Sprache und Visualisierungen untersucht.
In Teilbereich 3 wurden die im Kriterienkatalog definierten Anforderungen mit den Ergebnissen der Curriculaanalyse, der Interviews und der Onlinebefragung systematisch verglichen. Hierfür wurde eine Matrix erstellt, in der die Soll-Kriterien den Codes und Ergebnissen der verschiedenen Erhebungen gegenübergestellt wurden.
Die Identifikation von Lücken erfolgte anhand definierter Schwellenwerte und eines dreistufigen Ampelsystems. Ergänzende statistische Detailauswertungen ermöglichten es, die Bedarfe nach Berufsgruppen zu differenzieren. Auf diese Weise wurden Lücken im Ernährungswissen, in der Kommunikations- und Beratungskompetenz sowie bei den strukturellen Rahmenbedingungen ermittelt und mit vorhandenen Bildungsangeboten abgeglichen.
Ziel des Teilbereichs 4 war es, aus den im Soll-Ist-Vergleich identifizierten Lücken geeignete Maßnahmen abzuleiten und deren Wichtigkeit sowie Umsetzbarkeit zu bewerten. Dazu wurden zwischen Dezember 2025 und April 2026 insgesamt 21 leitfadengestützte Expert:inneninterviews mit Personen aus relevanten Berufs- und Funktionsbereichen durchgeführt. Den Interviewpartner:innen wurden die identifizierten Lücken vorgestellt. Anschließend wurden mögliche Maßnahmen, Umsetzungshemmnisse und Zuständigkeiten erfragt. Die Maßnahmen wurden auf einer Schulnotenskala von 1 bis 6 hinsichtlich Wichtigkeit und Umsetzbarkeit bewertet. Die Interviews wurden transkribiert und mit einem deduktiv-induktiv entwickelten Codesystem qualitativ ausgewertet.
Auf Basis des Soll-Ist-Vergleichs und der Expert:inneninterviews wurde von April bis Mai 2026 eine quantitative Onlinebefragung durchgeführt. In die Analyse wurden 100 Teilnehmende einbezogen. Sie bewerteten zentrale Maßnahmen zur Förderung des Ernährungswissens, der Kommunikations- und Beratungskompetenz sowie zur Verbesserung der Rahmenbedingungen ebenfalls hinsichtlich ihrer Wichtigkeit und Umsetzbarkeit. Die Ergebnisse beider Erhebungen wurden zu einer abschließenden Maßnahmenzusammenstellung zusammengeführt.
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