Zu dieser Frage gibt es neue Zahlen von der Hochschule Anhalt: für Mutterkühe. Die Antwort darauf beeinflusst, wie die Klimapolitik die Rinderhaltung bewertet und was Landwirtschaftsbetriebe bis 2030 nachweisen müssen.
Aktuelles
Wie viel Methan stößt eine Kuh aus?
-
© hochschule anhalt | heiko scholz
Modellrechnungen für Methan
247 Gramm. So viel Methan haben die Forschenden für eine Mutterkuh im Schnitt pro Tag gemessen. Bisher gingen Modelle von deutlich mehr aus, das heißt teils über 400 Gramm. Seit Jahren stützen sich Behörden und Klimarechnungen auf eine Formel des Tierernährers Kirchgessner aus den 1990er Jahren. Sie leitet den Methanausstoß einer Kuh aus ihrer Futteraufnahme ab – aus Rohfaser, Rohprotein, Rohfett. Allerdings: nur für Milchkühe. Für Mutterkühe gab es bislang kaum belastbare Daten, also Fleischrinderkühe, die ihre Kälber selbst säugen. Was es gab, waren Hochrechnungen und die ließen vermuten, Mutterkühe würden mehr Methan ausstoßen als Milchkühe, weil sie mehr Futter aufnehmen. „Das Modell sagt mir, die Menge müsste eigentlich viel höher sein", erklärt Prof. Dr. Heiko Scholz von der Hochschule Anhalt. „Machen die Kühe aber nicht."
Messwerte von Weiden und Ställen
Für seine Untersuchungen hat Heiko Scholz gemeinsam mit der Universität Halle nachgemessen – auf Weiden und in Ställen, unter normalen Bedingungen, ohne Klimakammer. Werkzeug war ein mobiler Laserdetektor, der der Kuh für fünf Minuten vor die Nase gehalten wird und jeden Atemzug registriert. Über 100 Tiere in sechs Betrieben in Sachsen-Anhalt und Thüringen wurden so erfasst. Das Ergebnis: Im Mittel 247 Gramm Methan pro Mutterkuh und Tag. Die Werte lagen konstant unter dem, was das Modell nach Kirchgessner berechnet hätte. „Das ist wichtig für die Landwirtschaftsbetriebe, damit sie überhaupt erst mal wissen, von welchem Wert aus sie reduzieren müssen", sagt Scholz.
Wertvolles Grünland in die Klima-Rechnung einbeziehen
Rund 11 Prozent des vom Menschen verursachten Methans werden der Tierhaltung zugeschrieben. Das klingt nach einem klaren Fall: weniger Tiere, weniger Treibhausgas. Doch so einfach ist die Rechnung nicht. Zwei Drittel der landwirtschaftlichen Fläche weltweit sind Grünland und Grünland ist einer der größten Kohlendioxidspeicher der Erde. Wo Kühe weiden, bleibt das Bodenleben intakt. Wo sie verschwinden, verliert das Grünland seinen Nutzer und damit langfristig seine Funktion als CO₂-Speicher. "Schweizer Forschende rechnen derzeit durch, ob der CO₂-Entzug durch intaktes Grünland die Methanemissionen der Weidetiere ausgleicht", berichtet Heiko Scholz, der seine Ergebnisse regelmäßig auf nationalen wie internationalen Konferenzen vorstellt. Die Messdaten aus Sachsen-Anhalt stellt er auch für globale Modelle zur Verfügung.
Rinderhaltung im Klimawandel: Spielräume für die Praxis
"Methan aus dem Verdauungstrakt von Rindern lässt sich nicht wegzüchten", sagt Heiko Scholz, „das ist Biologie." Es gibt jedoch konkrete Stellschrauben. Eine davon ist das Futter: Weidegras, das zu hoch gewachsen ist, enthält viel Rohfaser. Rohfaser vergärt langsam im Pansen, dabei entsteht mehr Methan. Wird die Weide im richtigen Stadium genutzt, lässt sich der Ausstoß nach aktuellen Schätzungen um bis zu 20 Prozent senken.
Ein weiterer Hebel ist das Tieralter. Wer Kühe länger im Bestand hält, braucht weniger Nachkommen und senkt so die Emissionen über die Lebensdauer sowie über Haltungsform und Ammoniakmanagement. „Das ist wie ein Mosaik", verweist Scholz auf die verschiedenen Untersuchungen an seinem Fachbereich. Zusammen ergeben diese Maßnahmen ein Baukastensystem, aus dem Betriebe je nach Situation wählen können.
Und das wird zunehmend relevant: Bald müssen auch Betriebe der landwirtschaftlichen Tierhaltung Nachhaltigkeitsberichte vorlegen. Deutschland hat sich zur Klimaneutralität verpflichtet und die Landwirtschaft ist Teil dieser Rechnung. Dafür brauchen sie Messwerte und Lösungen.
Informationen zum Thema Tierhaltung und Tierernährung an der Hochschule Anhalt
"Methanausscheidungen bei Mutterkühen": unter diesem Titel stellt Prof. Dr. Heiko Scholz seine Untersuchungen vom 8. bis 10. Mai auf der BRALA vor – der 33. Brandenburgischen Landwirtschaftsausstellung. In der Brandenburghalle am Stand BH 24. Weitere Themen sind:
- Ganzpflanzensilage aus Körnerleguminosen
- Winteraußenhaltung von Mutterkühen
- Entwicklung eines automatisierten Legenestes
Mehr dazu auf den Fachmesse-Seiten der Hochschule Anhalt: https://www.hs-anhalt.de/hochschule-anhalt/aktuelles/fachmessen/brala.html
“Landwirtschaft im Klimawandel: Hitzestress bei Mutterkühen auf der Weide” | Projekt und Interview mit Prof. Dr. Heiko Scholz auf dem KlimaBlog der Hochschule inklusive Vita und Kontaktdaten
Landwirtschaft an der Hochschule Anhalt studieren: zu den Informationen des Fachbereichs Landwirtschaft, Ökotrophologie und Landschaftsentwicklung
Claudia Aldinger
Prof. Dr. Heiko Scholz... ist für Nachfragen und Anfragen erreichbar unter Tel.: +49 Tel.: +49 (0) 3471 355 1178 oder per E-Mail: heiko.scholz(at)hs-anhalt.de
Prof. Dr. Heiko Scholz stellt seine Untersuchungen vom 8. bis 10. Mai auf der BRALA vor – der 33. Brandenburgischen Landwirtschaftsausstellung. In der Brandenburghalle am Stand BH 24.
zurück zu allen KlimaBlog-Artikeln