Frau Gronemeyer, mit welchen Herausforderungen hatten Sie bei der Herstellung des Pilzmyzel-Komposits zu tun?
Ich bin Designerin, keine Biotechnologin und musste mir die richtigen Arbeitsbedingungen erst aneignen, das heißt das sterile Arbeiten und die Nutzung einer Klimakammer. Zudem hat man es mit einem lebendigen Material zu tun, das wächst. Und das macht jeder Pilz anders, selbst innerhalb einer Pilzfamilie. Für ein sicheres Ergebnis sind viele Tests notwendig.
Welche Herausforderungen sehen Sie für die industrielle Nutzung?
Zu den größten gehören sicher auch die Abweichungen zwischen den einzelnen Myzel-Platten, weil wir es mit einem lebendigen Material zu tun haben, das auf Umweltbedingungen wie Feuchtigkeit und Temperatur reagiert. Möglicherweise ist das auch ein Grund dafür, dass es in unserem Alltag noch nicht ganz angekommen ist. Aber es gibt Firmen, die aus Pilzmyzel gewachsene Materialien bereits erfolgreich einsetzen. Verpackungen gehörten zu den ersten Anwendungen, inzwischen sind auch andere dazugekommen, wie Lederersatz für Taschen, Bodenbeläge, Akustikpaneele oder Dämmstoffe für Häuser. Es ist in jedem Fall von einem großen Markt auszugehen.
Können die dafür eingesetzten Pilze gefährlich werden?
Nein, sie sind in der Regel essbar und werden auch durch Hitze abgetötet, bevor sie weiterverarbeitet werden.
Sie sind mit Beginn des Jahres 2025 in ein anderes Projekt gewechselt. Worum geht es dabei?
Wir wollen gemeinsam mit der Biotechnologie der Hochschule Anhalt eine Mykothek aufbauen, also eine Materialbibliothek für Pilzmyzel. Es geht darum die Potenziale des Myzels auszuloten, aber auch die kreislauffähiger Materialien aus regionalen Reststoffen. Dahinter steckt das große Ziel, neue Wertschöpfungsketten zu generieren.
Das klingt sehr technisch. Warum ist das für Sie als Textildesignern interessant?
Das stimmt. Aber seit ich vor fast zehn Jahren meinen Master an der Burg gemacht habe, lässt mich die Arbeit mit Myzel nicht mehr los. Es ist so vielseitig einsetzbar, nachhaltig und eine Art Textil ergibt sich durch die Verbindung der einzelnen Hyphen, die eine Art Nonwoven, also Filzstoff, unter dem Mikroskop ergeben. Es ist nach wie vor meine Vision, eine natürliche feuer- und wasserfeste alternative Beschichtung für Textilien zu entwickeln. Möglicherweise finde ich über die Forschung zur Mykothek den Weg, um eine Art Faden herzustellen, mit dem man weben oder stricken kann. Gerade im Luftmyzel sehe ich viel Potenzial für die Textilindustrie.